Auto-Batterie und Recycling - der Ökocheck, Teil 3

5 Minuten
4. Mai 2022

Die Auto-Batterie und das Recycling müssen in einem Atemzug genannt werden. In Teil 3 der Ökobilanz von Elektroautos entzaubern die Experten den Mythos, eine ausgediente Batterie sei nichts als Sondermüll. Tesla und VW etwa arbeiten mit Erfolg an der Kreislaufwirtschaft.

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Auto-Batterie

Recycling der E-Auto-Batterie: Die Ressourcen-Rückgewinnung liegt teilweise bereits heute bei über 90 Prozent.  Bild: istock.com

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Ob Klimabilanz, Rohstoffgewinnung oder Recycling – die Argumente gegen E-Autos sind vielfältig. Und fast immer sind sie widerlegbar. Im dritten Teil des Ökochecks konzentrieren wir uns auf das Argument, eine ausgediente E-Auto-Batterie sei doch nichts als giftiger Sondermüll. Fakt ist: Batterien von Elektroautos enthalten keine seltenen Erden. Sie bestehen aus Metallen und Mineralien, die auch nicht per se giftig sind. Wie bei allem ist die Schädlichkeit eine Frage der Menge. Die Nutzer kommen mit den Stoffen allerdings nicht in Kontakt. Und dank zunehmendem Erfolg bei der Rückgewinnung ist auch das Sondermüllargument keines mehr. Ist eine Batterie verbraucht, sind ihre Materialien nicht schlechter als zuvor. Nur ist die elektrische Ladekapazität nicht mehr genügend. Darum ist es nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll, diese wertvollen Rohstoffe nicht einfach zu entsorgen. Experten schätzen den Markt für rückgewonnenes Batteriematerial bis in 20 Jahren auf USD 51 Milliarden pro Jahr.

Auto-Batterie – eindrückliche Recyclingquoten

Die Recyclingquoten sind bereits heute eindrücklich: Das deutsche Unternehmen Duesenfeld zum Beispiel kann 91 Prozent der Rohstoffe eines Akkus zurückgewinnen. Akkus aus diesen rezyklierten Materialien sind günstiger und weisen einen 40 Prozent geringeren CO2-Fussabdruck auf als solche mit neuen Rohstoffen.

Überzeugen dich die Argumente für Elektroautos?

Auto-Batterie Recycling

Teslas Batterie-Recyclingprozess: Ein grosser Prozentsatz der Rohstoffe wird wiederverwendet. Quelle: Tesla Impact Report 2020

Tesla verfolgt seit Beginn die Philosophie der Kreislaufwirtschaft. Die Firma rezykliert 100 Prozent der ausgedienten Batterien über externe Partner. 2020 begann Tesla in der Gigafactory Nevada eine eigene Anlage mit einer Rückgewinnungsquote von 95 Prozent aufzubauen. Teslas Plan sieht vor, in sämtlichen Fabriken, wo sie Lithium-Batterien herstellen, auch Rückgewinnungsanlagen zu betreiben. Dies geschieht, um die Transportwege möglichst kurz zu halten. Die Schwesterfirma Redwood Materials hat sich voll und ganz der Ressourcen-Rückgewinnung verschrieben und schafft bei Akkus derzeit ebenfalls 95 Prozent.

Volkswagen nahm 2020 in Salzgitter eine Pilot-Recyclinganlage mit einer Kapazität von 3’000 Batterien pro Jahr in Betrieb. Dort liegt die Recyclingquote bei 72 Prozent – das langfristige Ziel sind 97 Prozent.

Batterie-Recycling oder zweites Leben als stationärer Stromspeicher

Aber bevor eine Batterie in den Recyclingschredder wandert, erweist man ihr häufig noch einmal Gnade. Ein ausgedienter E-Autoakku kann in einem zweiten Leben nochmals 15 bis 20 Jahre als stationärer Stromspeicher dienen. Im Gegensatz zum Einsatz im E-Auto ist dies eine schonende Anwendung mit viel geringeren Lade- und Entladeströmen. McKinsey sieht per 2030 einen Second-Life-Batteriemarkt von mehr als 200 GWh und einem Umsatz von USD 30 Milliarden pro Jahr.

Nicht die Batterie ist Sondermüll, sondern der unwiderruflich verbrannte fossile Treibstoff. Dieser verschmutzt die Luft und heizt durch das CO2 das Klima auf. Im Gegensatz dazu entsteht bei den Batterien eine Kreislaufwirtschaft. Je mehr Batterien aus dem ersten und zweiten Leben zurückkommen und je besser die Recyclingquote, desto weniger neue Rohstoffe werden abgebaut. Der nicht mehr wiederverwendbare Recyclingabfall eines E-Autos hat gerade mal die Grösse eines Fussballs. Der Benziner dagegen hat am Ende seines Lebens 100 bis 200 Fässer Erdöl in die Luft und in die Umwelt deponiert – ohne dafür Sonderabfallgebühren zu bezahlen.

Rohstoffverbrauch Elektroauto und Verbrenner

Rohstoffverbrauch für den Betrieb eines Elektroautos (BEV) und eines Verbrenners (Gasoline). Grafik: transportenvironment.org

Die Umweltschäden, welche die Elektromobilität verursacht, gehören diskutiert. Dabei zeigen die Fakten aber, dass die Schäden nicht zugunsten des Verbrennungsmotors ausgelegt werden können. Denn bereits heute ist das Elektroauto bedeutend weniger schädlich für Umwelt, Klima, Luft und Menschen, als es die besten Diesel- und Benzinautos je sein werden. Mit Recycling und steigendem Anteil erneuerbarer Elektrizität nehmen diese Vorteile weiter zu. Die Rohstoffe in einer aufgebrauchten Batterie sind viel zu wertvoll für die Entsorgung. 95 Prozent der Materialien gewinnen die Firmen teilweise bereits heute zurück. Das verbrannte Öl jedoch bleibt der Welt nur mehr als giftiges Abgas und klimaschädliches CO2 erhalten.

Co-Autor: Bernard van Dierendonck

Lies auch:

„Klimabilanz Elektroauto vs. Benziner – der Ökocheck, Teil 1“

„Lithium-Batterie bei Elektroautos – der Ökocheck, Teil 2“

 

 

Autor: Roger
Rusch
Meine Passionen sind nachhaltiger Umgang mit Menschen in Organisationen und mit der Umwelt. Dazu engagiere ich mich in Führungs- & Teamentwicklung sowie in der Elektromobilität.
www.ceo-plus.ch

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