Biodiversität im Garten - Tipps für mehr Artenvielfalt

8 Minuten
9. Mai 2022

Willst du mehr Biodiversität im Garten? Und wie funktioniert ein naturnaher Garten? „Nur schon Küchenkräuter blühen zu lassen, hilft den Insekten”, sagt Bettina Walch. Die langjährige Moderatorin leitete zwei Jahre lang das SRF-Projekt «Mission B» für mehr Biodiversität und setzt sich heute mit ihrer Geschäftspartnerin Isabella Sedivy bei Plan Biodivers für naturnahe Lebensräume ein.

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Biodiversität im Garten

Vielfalt ist wichtig: Die Insekten stehen am Anfang der Nahrungskette.   Bild: istock.com

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Viele Menschen begreifen langsam aber sicher, dass Biodiversität die Lebensgrundlage unseres Planeten bedeutet. Die verschiedenen Spezies sind miteinander verbunden und voneinander abhängig. Und zu grösserer Biodiversität beitragen können wir schon im Kleinen. Zum Beispiel im Garten. Denn einen Naturgarten gestalten und somit die Biodiversität in der Schweiz zu erhöhen, ist eine sinnvolle und wichtige Aufgabe für einen wertvollen biologischen Lebensraum.

Ein naturnaher Garten bietet Futter und Unterschlupf

Das Prinzip ist einfach. Zu einem naturnahen Gartenbau gehören genügend Futter und Unterschlüpfe für unsere heimischen Tiere. Vögel und andere Kleintiere wie der Igel werden satt, wenn sich im Garten genügend Insekten tummeln. Sie stehen am Anfang der Nahrungskette. Ohne Insekten, keine Vögel. Dazu braucht es einheimische Pflanzen aus der Schweiz. Denn mit den exotischen, grossen Blüten, die unsere Gärten zieren, können unsere Insekten nur wenig anfangen. Sie finden ihre Nahrung bei einheimischen Blüten, auf die sie sich im Laufe der Evolution abgestimmt haben. Deshalb können wir einen naturnahen Garten auch an seinen Pflanzen mit eher kleinen Blüten erkennen. 

Ein weiteres Merkmal: Im naturnahen Garten wird weniger aufgeräumt. Beispielsweise bilden Ast- und Laubhaufen Lebensräume für Kleintiere. Indem wir verblühte Pflanzen im Winter stehen lassen, schaffen wir ein Winterquartier für Puppen, Larven und Insekten-Eier. Ausserdem ernähren sich Vögel wie die Meise oder der Fink von den Samen und Früchten der Pflanzen. 

So gelingt der Einstieg

Wer einen Naturgarten gestalten will, hat viele Möglichkeiten. Am besten fragen wir uns, was uns selbst am meisten Freude bereitet. Welches Tier will ich unterstützen? Will ich etwa einheimische Pflanzen für Bienen? Welche Pflanze gefällt mir? Die Freude am eigenen Garten steht dabei im Vordergrund. „Wenn jemand eine Pflanze sehr schön findet, die keinen ökologischen Nutzen hat, dann macht das nichts. Er oder sie kann sie ja vielleicht mit einer einheimischen Pflanze ergänzen.”, sagt Bettina Walch. In deren Garten dient nach wie vor ein Stück gemähter Rasen als Fussballfeld für die Tochter. Der eigene Garten muss also nicht vollständig der Natur überlassen werden. Bereits ein Quadratmeter mit einheimischen Pflanzen kann etwas bewirken. 

 

Hilfst du mit deinen Garten- und Balkonpflanzen der Biodiversität?

Biodiversität im Garten und auf dem Balkon fördern

Folgende Tipps für mehr Biodiversität lassen sich mit wenig Aufwand und Platz umsetzen:

  • Weniger oft Rasenmähen und das Gras auch mal blühen lassen. Alternativ kannst du auch einzelne Blumen-Inseln stehen lassen.
  • Samenmischungen aus Bio-Produktion mit einheimischen Pflanzen gibt es auf dem Markt oder im Laden, zum Beispiel unter dem Begriff “Naturnahe Wiesen.”
  • Verschiedene Kräuter setzen und blühen lassen. Das lässt sich auch auf dem Balkon umsetzen und liefert gleichzeitig frische Zutaten für die Küche.

Ganzjährig einheimische Blüten für Insekten

Damit Insekten und damit unsere Vögel, Eidechsen oder Igel von Februar bis November eine Futterquelle finden, braucht es im Garten eine Vielfalt verschiedener Pflanzenarten. Denn jede Art blüht zu einer anderen Jahreszeit. Dabei hilft die Plattform Floretia, wenn du beispielsweise deine Blumenwiese anlegen willst, bei der Suche nach passenden Pflanzen, basierend auf Vorlieben und Standort.

Biodiversität im Garten

Das Märzveilchen blüht bereits ab Februar. Auch Gänseblümchen, kriechender Günsel, Hahnenfuss, Leberblümchen und eigentlich alles, was im Februar kommt, lässt du am besten stehen. Jede einzelne Blüte ist eine Bienenweide. Bild: istock.com

Kornelkirsche

Die Kornelkirsche blüht ab März und trägt später Früchte. Die Tiere haben also mehrmals im Jahr etwas davon, darum heisst sie auch «Tierlibaum».  Bild: istock.com

Glockenblume

Einige Wildbienenarten sind von der Glockenblume abhängig. Sie blüht von Mai bis August.  Bild: istock.com

Schafgarbe

Die im Sommer blühende Schafgarbe ist nicht nur ein Hausmittel, sondern auch bei Insekten beliebt.  Bild: istock.com

Biodiversität im Garten

Die Blüten der Malven dienen von Juni bis September als Futterquelle. Insekten nutzen einige Malvenarten aber auch als Schlafplatz. 

Sonnenblume

Die Sonnenblume blüht im Sommer und ist bei Vögeln wegen ihrer Kernen, bei Wildbienen wegen Nektar und Pollen als Nahrungsquelle beliebt.  Bild: istock.com

Astern
Astern blühen bis weit in den Herbst hinein und sind daher bei Wildbienen beliebt.  Bild: istock.com
Biodiversität im Garten

Wer mag, überlässt eine kleine Ecke im Garten der Brennessel. Diese locken Schmetterlinge an, denn ihre Raupen finden dort Nahrung - auch das hilft der Biodiversität im Garten.  Bild: istock.com

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  • Einheimische Pflanzen benötigen möglichst mageren, nährstoffarmen Boden. Wurde der Boden vorher jahrelang gedüngt, braucht es ein bis drei Jahre, bis sich der Dünger herausgearbeitet hat. Erst dann kann sich eine schöne Magerwiese etablieren. Wer den Boden nicht abtragen will, braucht in so einem Fall also etwas Geduld.
  • Schneiden wir die verblühten Köpfe ab, gibt es häufig neue Blüten.
  • Auch wenn die Blütezeit vorbei ist, sind die Blumen für Insekten noch nützlich. Denn sie nisten sich zum Überwintern im Stängel ein oder legen ihre Eier darin ab. 

Die Hecke als Versteck für Vögel

Vogelfreunde locken also Vögel an, indem sie Insekten in ihrem Garten fördern. Einheimische Hecken bieten den Vögeln dann einen geschützten Unterschlupf und einen Standort zum Nisten. Idealerweise hat die Hecke Dornen, damit Katzen und Füchse draussen bleiben. Statt Thuja oder der sich invasiv ausbreitende Kirschlorbeer eignen sich einheimische Arten, wie Hagebuche, Traubenkirsche, Gewöhnlicher Schneeball oder Wildrose. Weitere Tipps für die Gestaltung von Hecken gibt die Praxishilfe von BirdLife. 

Biodiversität im Garten – sandige Plätze für Wildbienen

Neben dem Blütenmeer als Nahrungsquelle braucht der Grossteil aller heimischen Wildbienenarten sandige Plätze. Dort vergraben sie in unterirdischen Gängen ihre Nester. Ein Topf voll ungewaschenem Sand oder eine Sandlinse bilden einen geeigneten Nistplatz. Wer mag, kann auch leere Schneckenhäuser anbieten in denen die Mauerbiene ihr Ei ablegt. Bienen sind übrigens nur aggressiv, wenn sich nichts zu fressen finden. Bietet man ihnen ein reiches Buffet an Schafgarbe, Margerite oder Kleeblume, stressen sie auch uns Menschen nicht. 

Ast- und Steinhaufen für Reptilien und Vögel

Ast- und Steinhaufen an sonnigen Standorten bieten Eidechsen und Blindschleichen Schutz und Wärme. Auch der Igel verkriecht sich gerne zur Überwinterung in Laubhaufen. ProNatura zeigt, wie wir die Lebensräume für Reptilien und Igel bauen können. Da der Igel besonders gerne Schnecken frisst, sind Schneckenkörner im Gemüsebeet verboten. Eine weitere Gefahr für die Tiere sind Rasenroboter, die sie lebensgefährlich verletzen.

Was nicht in den naturnahen Garten gehört 

  • Invasive Pflanzen wie Kirschlorbeer oder Sommerflieder breiten sich sehr schnell aus und verdrängen einheimische Arten. Hierzu findest du auf der Schwarzen Liste von Info Flora die von Experten als invasiv eingestuften Arten.
  • Chemische Mittel gegen Schädlinge schaden auch anderen Insektenarten und vergiften gleichzeitig die Nahrungsquelle von Vögeln und anderen Kleintieren. Stattdessen gibt es gegen verschiedene Schädlinge auch biologische Mittel und umweltfreundliche Tricks. Mission B zeigt zum Beispiel, wie wir Schnecken ohne Chemie loswerden.
  • Torfhaltige Gartenerde: Der Abbau von Torf schadet der Natur gleich doppelt. Dadurch verschwinden nicht nur Moorlandschaften, Torf bindet auch CO2, welches beim Abbau wieder freigesetzt wird. 

 

Bettina Walch

Die langjährige Fernsehfrau Bettina Walch setzt sich mit Plan Biodivers für mehr Biodiversität und Klimaschutz ein. Bild: zvg.

Kurz-Interview mit Bettina Walch zu Biodiversität im Garten

 

Sie haben jahrelang als Journalistin und Moderatorin bei SRF gearbeitet. Jetzt setzen Sie sich mit ihrer Firma Plan Biodivers für mehr Biodiversität und Klimaschutz ein. Was hat Sie zu diesem Wechsel bewegt?

Bettina Walch: Nach dem Ende des Projekts «Mission B» kam bei mir und meiner heutigen Geschäftspartnerin und damaligen SRF-Kollegin Isabella Sedivy der Wunsch auf, beim Thema dranzubleiben, uns weiterhin über die Kommunikation und Mitmach-Projekte für den Erhalt der Artenvielfalt und der verschiedenen Lebensräume einzusetzen. Vor zehn Jahren wären wir mit unserer Geschäftsidee wohl verhungert, heute erkennen viele Menschen, Behörden, Verwaltungen, Firmen dass der Verlust der Biodiversität unsere Lebensgrundlage bedroht. Ohne Vielfalt der Arten und Lebensräume packen wir den Klimawandel und seine Folgen nicht. Es ist schön zu sehen, wie sich unsere Gesellschaft in Bezug auf Umweltthemen etwas ändert. Was früher «grün» war, ist heute als common sense in der Mitte angekommen.

Wie sieht Ihr eigener Garten aus?

Wir leben in einer Mietwohnung, unsere Tochter spielt auf der Wiese Fussball, mein Mann gehört zu den Rasenmäher-Liebhabern. Doch inzwischen lässt er die natürlich entstandenen Blumeninseln stehen. Die Tochter überlässt mir eine spielfreie Ecke. Und ich wiederum hab da und dort einfach ein paar heimische Pflanzen gesetzt, lasse die Küchenkräuter blühen und im Hochbeet wachsen mehr Bienen- und Schmetterlingsweiden als Salat und Kartoffeln. Es ist kein Naturparadies, doch nicht mehr ganz so schlimm wie bei unserem Einzug. 

Wie profitieren Sie persönlich davon?

Ich werde im Frühling morgens von den Amseln geweckt – was für ein Privileg mitten in der Stadt! Ich freue mich an jeder einzelnen Hummel, die vorbeischaut, an Schmetterlingen, die am Rosmarin Nektar verzehren und an den Rosenkäfern, die ich jetzt anfangs Frühling im Hochbeet entdeckt habe. 

Biodiversität ausserhalb des eigenen Gartens

Wälder bieten vielen Tieren Lebensraum und stehen für eine riesige Biodiversität. Im Interview mit Go Green spricht der US-Wissenschaftler Dan Maynard darüber, wie es um die Biodiversität in Schweizer Wäldern steht. Und warum Wälder nicht die alleinige Lösung für die Klimakrise sind.

Die Architektin Aparna Oommen Sahlender wirft einen Blick in die Stadt der Zukunft und zeigt auf, was begrünte Dächer und Fassaden für das Stadtklima tun. 

Marlen Stalder ist Kommunikationsspezialistin. Sie entdeckt gerne spannende Möglichkeiten für ein umweltbewusstes Leben.

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