Auch auf dem Hof von Philippe Dorsaz in Riddes im Wallis können Camperinnen ausspannen. Bild: Jakob Kienzerle
Landvergnügen ist ein Camping-Netzwerk, das Reisende mit Landwirtinnen und Landwirten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Kontakt bringen möchte. Dabei bieten ausgewählte Höfe Stellplätze für Menschen an, die mit dem Wohnmobil, Campervan, Wohnwagen, oder einem Dachzelt unterwegs sind. Für eine Nacht dürfen sie kostenlos auf dem Hof stehen. Die Idee ist, dass sie im Gegenzug im Hofladen einkaufen und so den Betrieb unterstützen.
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Auf der App stellen sich die Höfe vor. Auch Reisende legen sich dort ein Profil an und kontaktieren dann ihren Wunsch-Hof. Die Mitgliedschaft für Camperinnen und Camper kostet 69 Euro (umgerechnet rund 65 Schweizer Franken) pro Jahr. Die Kontaktaufnahme verläuft dann per Telefon, oder direkt über die App.
Landvergnügen möchte dazu einladen, abseits der getrampelten Pfade unterwegs zu sein und das Landleben kennenzulernen. Mit dem Camper auf einem Hof zu übernachten, ist ein einmaliges Erlebnis. Zum einen aufgrund der Nähe zur Natur. Du stehst mitten im Grünen, abseits des Massentourismus. Der Blick darf über Weinberge, Obstbäume, Felder und Wiesen schweifen. Die Stellplätze sind aber gar nicht unser Fokus – deshalb veröffentlichen wir auch keine Fotos dazu in der App.
Schöne Aussichten bietet auch der Bärenhof im Schwarzwald. Bild: Bärenhof/Madlen Krippendorf
Vor allem geht es um die Menschen, die Produkte und die Tiere auf dem Hof. Du wirst willkommen geheissen von fremden Menschen, eingeladen auf einen fremden Hof – und gehst nicht selten als Freund, oder Freundin. Diese menschlichen Begegnungen sind etwas Besonderes. Vor Ort können Reisende ausserdem miterleben, wie hochwertige, handwerklich hergestellte Lebensmittel entstehen. In den Hofläden sind wahre Schätze zu finden, Öle, Marmeladen, Honig, Eingemachtes, alles direkt vom Erzeuger. Das sind Erinnerungen, von denen man wortwörtlich noch lange zehren kann.
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Ich selbst war 2012 für neun Woche mit meiner Frau und meinen damals zwei Kindern in einem alten Wohnmobil unterwegs. Wir wollten einen Abenteuerurlaub in Frankreich machen, fernab der Touristenmassen – das heisst nicht ans Meer, sondern durch das Landesinnere fahren. Im Rahmen der Vorbereitungen habe ich in einem Forum von „France Passion“ gelesen, ein Reiseführer, der schon seit 1993 landwirtschaftliche Betriebe führt, die Stellplätze anbieten.
Wir haben dann viele von diesen Höfen angesteuert, waren dort unterwegs, wo die Einheimischen wohnen und haben nebenbei kulinarische Schätze entdeckt, handgemachte, regionale Produkte. Für mich als Hobby-Koch ein absolutes Highlight. Das war eine wunderschöne Reise und für uns die beste Möglichkeit, Land und Leute kennenzulernen. Auf dem Rückweg haben meine Fau und ich uns gefragt, ob es ein solches Netzwerk nicht auch in Deutschland gibt.
Der Archehof Bense südlich von Hamburg bietet mehr als schöne Sonnenuntergänge und herbes Bier. Bild: Jakob Kienzerle
Genau, und das wollte ich ändern. Wir hatten eine unvergessliche Zeit auf den Höfen in Frankreich. Ich dachte mir, die Leute müssen erfahren, dass diese Art des Reisens möglich ist. Tatsächlich gab es solche Netzwerke neben Frankreich auch schon in England, Spanien, Italien, der Schweiz und vielen weiteren europäischen Ländern. Ich habe Kontakt zu den Organisationen aufgenommen und 2014 alle in Berlin an einem Tisch versammelt. Wir haben FEFI (Fédération Européenne de la Formule Invitations, deutsch: Europäischer Verband der Formel Einladungen) gegründet, ein Zusammenschluss von entsprechenden Anbietern aus zehn europäischen Ländern. Parallel habe ich das Netzwerk in Deutschland aufgebaut.
Zu Beginn haben 239 Betriebe mitgemacht, zunächst nur aus Deutschland. Über die Jahre habe ich das Netzwerk nach Österreich erweitert und schliesslich das bereits bestehende Netzwerk aus der Schweiz übernommen. Unterstützung erhielt ich anfangs auch von verschiedenen Interessenvertretern und Verbänden, darunter Naturland, Bioland und Demeter.
Die Idee kam bei den Höfen gut an. 90 Prozent der Betriebe, die ich anfangs angefragt habe, waren dabei. Wichtig war und ist mir, die kulinarische Vielfalt des Landes abzubilden. Es gibt also nicht nur Weingüter im Netzwerk, sondern auch Obsthöfe, Cranberriefarmen, Käsereien oder Trüffelbauern.
Auf dem Obsthof Schurm in Lichtenberg bei Linz können Gäste gleich auch den Obstler verkosten. Bild: Markus Nass
In Deutschland sind es 1500, in Österreich 500. Seit März dieses Jahres ist auch die Schweiz mit 43 Höfen in unserem Netzwerk vertreten. Das klingt erst einmal wenig, gemessen an der Einwohnerzahl und der Grösse des Landes ergibt sich aber eine gute Dichte. Aktuell sind die Höfe vor allem in der Westschweiz und im Wallis zu finden.
Zum einen können sie ihre Produkte direkt vermarkten, ohne Zwischenhändler. Natur hat einen Wert, dieser geht beim Einkauf im Supermarkt schnell verloren. Wenn die Menschen vor Ort sehen, wie viel Arbeit in einem selbst hergestellten Produkt steckt, geben sie gerne etwas mehr Geld dafür aus. Im besten Fall bauen sich die Höfe dadurch eine Stammkundschaft auf. Ausserdem können Landwirtinnen und Landwirte selbst nicht eben mal wegfahren. Viele von ihnen arbeiten hart und sind an den Betrieb gebunden. Mit Landvergnügen holen sie sich nette und interessierte Menschen auf den Hof, die für Abwechslung sorgen.
Nein, für die Landwirtinnen und Landwirte entstehen keine Kosten. Wir erheben keine Anzeigengebühr, sondern finanzieren uns auf der Reisendenseite. Die Höfe sind unsere Partner, die wir bei Fragen und Problemen immer unterstützen.
Hoher Chill-Faktor: Bei der Imkerei Bogena in Ostfriesland legt sich der Stress von selbst. Bild: Madlen Krippendorf
Die Höfe müssen sich erst einmal bei uns bewerben. Dann schauen wir uns die Betriebe genauer an. Wir prüfen, ob Wohnmobile, oder Campervans problemlos dorthin kommen können, ob es eine geeignete Zufahrt gibt, genügend Platz und so weiter. Dann legen wir einen Kriterienkatalog mit verschiedenen Säulen an. Positiv bewerten wir zum Beispiel, wenn der Hof ökologische Vielfalt fördert und nachhaltig wirtschaftet. Riesige Massentierbetriebe haben bei uns keinen Platz.
Ich bin immer wieder mit meinem Wohnmobil bei den Höfen zu Besuch, schaue, ob es Probleme, oder Fragen gibt. Campen gehe ich schon, seit ich ein Kind bin, mit Landvergnügen habe ich somit mein Hobby zum Beruf gemacht. Da ich nicht alle Höfe selbst besuchen kann, habe ich ein Netzwerk aus Botschafterinnen und Botschaftern aufgebaut. Das sind Reisende, die leidenschaftlich gerne mit Landvergnügen unterwegs sind und hinter unserer Vision stehen. Sie sind Ansprechpersonen für die Betriebe und machen sich vor Ort ein Bild der Lage. Die Mitgliedschaft ist im Gegenzug umsonst. Einige fahren im Jahr über hundert Höfe an, andere nur drei, oder vier, das richtet sich nach den persönlichen Kapazitäten. Für die Schweiz sind wir aktuell noch auf der Suche nach Botschafterinnen und Botschaftern. Interessierte können sich gerne bei uns melden.
Richtet euch das Fahrzeug gemütlich ein. Nehmt ein Kissen und eine richtige Decke mit, ein gutes Messer, ein Schneidebrett. Alles, was ihr braucht, um euch unterwegs wie zuhause zu fühlen. Und: Der Weg ist das Ziel. Es geht nicht darum, an einem Tag 500 Kilometer zu fahren. Lasst euch treiben, ganz ohne Zeitdruck und Stress.
Wir empfehlen, autark unterwegs zu sein. Einige Betriebe haben eine Toilette und eine Dusche vor Ort, aber nicht alle. Das ist entsprechend in der App gekennzeichnet. Grauwasser und Schwarzwasser müssen Reisende an entsprechenden Stationen entsorgen, das darf nicht auf dem Hof passieren. Ein gewisses Mass an Offenheit ist zudem wichtig: Fahrt doch mal dahin, wo ihr sonst nie hinfahren würdet. Viele haben bei einer Wohnmobilreise nur die Top-Destinationen im Kopf, den schönsten See, den bekanntesten Berg, den traumhaftesten Strand. Wieso nicht auf dem Weg dorthin einen oder zwei Stopps abseits der Route einlegen? Das Schöne im Kleinen, im scheinbar Unspektakulären finden? Darin liegt der wahre Schatz im Reisen, vielleicht sogar im Leben überhaupt.

Ole Schnack, 49, hat in seinem Leben schon so einiges ausprobiert. Er machte die Sportart Hacky Sack in Deutschland bekannt, betrieb eine kanadische Pizzeria in Berlin und studierte für kurze Zeit Lehramt. 2014 gründete er Landvergnügen und machte damit seine lebenslange Liebe zum Camping zum Beruf. Heute zählt das Team von Landvergnügen 15 Mitarbeitende. Ole Schnack wohnt mit seiner Frau und seinen Kindern in Berlin.

Hallo
Finde den Artikel sehr interessant. Wir haben in der Schweiz (dort wohnend) einige Male Place to bee ausprobiert, was ja ähnlich aufgebaut ist (aus Sicht des Nutzers).
Was mir beim Artikel aufgefallen ist, das eben als WW-Fahrer, das immer nur von CamperVan und Wohnmobilien geschrieben. Der WW (Wohnwagen) wird quasi nicht erwähnt. Wohlwissend, dass heute mehr WoMo runmfahren wie WW (war auch mal anders), denke ich, hat es heute auch vermehrt kleine WW wie T*B320/Eriba und andere, die problemlos an Orte der WoMo-Fahrernden hinkommt. Viele sind autark – nicht nur vom Strom her.
Ich denke, wenn die Anfahrt und der Platzbedarf stimmt, sollten WW, wie WoWa stellen dürfen.
Liebe Grüsse aus dem Berner Mittelland
ein Zeltler nun WW-Reisender
Tolle Sache! Und es verbindet Menschen mit unterschiedlichen Lebensweisen – das tut unserer Gesellschaft gut.