Das eigene Balkonkraftwerk in der Schweiz - so gehts!

5 Minuten
13. September 2022

In der Schweiz ein Balkonkraftwerk zu haben liegt im Trend. Stefan Sahlender hat sich mit dem Thema Solar-Balkon und den plug-and-play-Varianten auseinandergesetzt. Und ist kurz vor dem Ziel. Ein Erfahrungsbericht.

figure
Balkonkraftwerk Schweiz

Plug and Play Solar: Kleine Solarpanels für den Balkon bis zu 600 Watt Leistung können ohne Fachpersonal angeschlossen werden.  Bild: istock.com

Für mich gab es einige Gründe, ein Solarkraftwerk respektive Balkonkraftwerk ins Auge zu fassen: Die voraussichtlich stark schwankenden Energiekosten, Gespräche mit Freunden und Bekannten, die entweder gerade in der Entscheidungsphase sind oder schon eine Balkon-Solaranlage installiert haben, das spielerische Interesse daran, das Ganze mit dem Smart Home zu überwachen und die Daten aufzuzeichnen – und auf lange Sicht die Ausgaben für Strom etwas zu senken. Die eigene Solarenergie zu produzieren – das wäre doch was!

Kleiner Beitrag, grosses Potential

Die 600 Wp (Watt Peak) die maximal unter idealen Bedingungen erzeugt werden können, reichen für den Betrieb eines Laptops und eines Kühlschranks etc. und sind nur ein kleiner Beitrag, zugegeben. Aber machen das viele Leute, ergeben sich Auswirkungen auf den gesamtschweizerischen Energieverbrauch. Und wir dürfen nicht vergessen: Die 600 Watt, die wir im Sommer damit erzeugen, müssen somit nicht von deutschen Gaskraftwerken erzeugt werden, die Pumpspeicher- respektive Flusskraftwerke in der Schweiz müssen weniger Wasser ab- und durchlassen.

Fakt ist auch, dass derzeit viele Privatpersonen ein Balkonkraftwerk kaufen wollen. Dadurch sind die Preise deutlich gestiegen. Und da die globalen Lieferketten immer noch nicht richtig angelaufen sind, müssen alle auch mit längeren Lieferzeiten rechnen.

Abklären ist die halbe Miete

Folgende Punkte waren für mich bei der Vorabklärung wichtig:

  • Gesetzliche Vorgaben / Abklärungen mit involvierten Parteien
  • Erfahrungsberichte, Blogs und Foren von anderen Balkonkraftwerk-Besitzern
  • Auswahl des Shops / Modells / Montagesets
  • Wie nachhaltig ist ein Balkonkraftwerk?
  • Installation der Module
  • Datenaufzeichnung und Auswertung
  • Kosten / Nutzen 

Balkon-Solaranlage – ist das legal?

Am wichtigsten für mich ist natürlich, dass mein ganzes Vorhaben auch legal ist. Eine betriebsbereite Stecker-Solaranlage oder Plug-and-Play-Anlage wird vereinfacht gesagt aufgestellt oder aufgehängt und an die Steckdose angeschlossen. Und bis zu einer Leistung von 600 Watt darf diese auch ohne Fachpersonal angeschlossen werden. Im Detail steht dies beim Eidgenössischem Starkstrominspektorats ESTI, das 2014 ein Bulletin zum Thema Plug and Play Solaranlagen veröffentlicht hat.

Als nächstes habe ich mich bei meinem Vermieter erkundigt, ob es ihn störte, wenn ich ein Solarpanel ans Balkongeländer hängen würde. Der Vermieter willigte ein. Einzige Voraussetzung: die Fassade dürfe keinen Schaden nehmen. Aus den diversen Foren und Facebook-Gruppen habe ich mitgenommen, dass es hilfreich sein kann, die Nachbarn und die Gemeinde anzufragen. Die Bauvorschriften können von Ort zu Ort leicht variieren. Nicht vergessen: Das Balkonkraftwerk muss per Installationsanzeige Plug & Play Solaranlage beim Netzbetreiber angemeldet werden. 

Balkonkraftwerk in der Schweiz – Erfahrungsberichte nutzen

Fehler die andere gemacht haben, muss ich nicht mehr selbst machen, habe ich mir gesagt. Also habe ich die Erfahrungsberichte von anderen Balkonkraftwerk-Besitzern angeschaut. Die Website solarplattform.ch von Ulrich Münch, der sich sehr intensiv mit dem Thema Solar und Balkonkraftwerke beschäftigt, ist definitiv ein guter Einstiegspunkt. Inklusive Facebook-Gruppe, wo sich alle austauschen. Auch die Artikel von von energieschweiz.ch und energie-experten.ch beantworten viele Fragen. 

Plug-and-Play-Solaranlage – welchen Anbietern vertrauen?

Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) verlinken auf eine Liste mit diversen Anbietern für Plug-and-Play-Solaranlagen mit 600 Watt, die erlaubt sind. Auf zwei Anbieter von Balkonkraftwerken möchte ich näher eingehen: 

solarbalkon.ch

Das Besondere an diesem Laden ist das Gewicht der Module. Trotz der Grösse von 2 Meter x 1 Meter wiegt ein einzelnes Modul nur 5,7 Kilogramm. Das heisst, es hält auch an etwas fragileren Balkonen. Denn normalerweise wiegen die Module 20 bis 25 Kilogramm. Durch das geringe Gewicht kann jede und jeder die Panels dann mit hochwertigen wetterfesten Kabelbindern befestigen.

 

Willst du ein eigenes Balkonkraftwerk anschaffen?

Solaranlage Solarbalkon

Eine Solaranlage von Solarbalkon.ch – leicht und simpel zu befestigen.  Bild: solarbalkon.ch

solarion.ch

Der Shop ist sehr übersichtlich. Die Namen der mitverkauften Wechselrichter liest man auch immer wieder in der obengenannten Facebook-Gruppe. Für Schweizer Lokalpatrioten gibt es auch ein Set mit Modulen von Meyer Burger.

Wind- und wetterfest montieren

Ich habe mich für Das Powervolle entschieden. Die Panels liefern im Idealfall 900 Wp aber der Wechselrichter ist auf 600 Watt abgeriegelt. So bleibe ich im Rahmen des Erlaubten. Ich kann die Panels auch in Ost-/West-Richtung installieren und habe über den Tag verteilt eine bessere Ausbeute. Nicht vergessen werden sollte das Montageset, damit die Panels wind- und wetterfest montiert werden und auf keinen Fall runterfallen. Wenn sich ein 25 Kilogramm-Solarmodul selbstständig macht, kann das je nach Fallhöhe gehörigen Schaden anrichten. Einen guten Überblick, was es alles an Befestigungsmöglichkeiten gibt, liefert der Shop greenakku.de. 

Thema Nachhaltigkeit

Anfänglich überlegte ich auch, gebrauchte Module und einen gebrauchten Wechselrichter zu kaufen. Problematisch wird es vor allem bei gebrauchten Wechselrichtern, für die es keine Konformitätserklärung gibt. Eher unproblematisch sind gebrauchte Module. Solange die Spezifikationen von Wechselrichter und Panels zusammenpassen, sollte da nichts schief gehen. Eventuell entwickelt sich der Markt für gebrauchte Balkonkraftwerke in den nächsten Jahren noch etwas. Es gibt natürlich auch grosse Portale wie secondsol.com die sich auf den Handel mit gebrauchten Solarequipment spezialisiert haben, aber da kommt man als Endkunde leider nicht dran. Eventuell eine Marktlücke für die lokalen Elektriker.

Installation der Module – kurzes Kabel von Vorteil

Ist das Set aus Wechselrichter und die Panels erst einmal angekommen, geht es an die Installation der Solaranlage für die Steckdose. Zu lange sollte das Kabel zwischen Wechselrichter und der Steckdose nicht sein, sonst kommt es zu Leitungsverlusten. Die Ausrichtung und der Winkel der Balkon-Paneele ist sehr wichtig. Ideal ist, wenn die Panels Richtung Süden zur Sonne zeigen und einen Winkel von 33 Grad haben. Aber nicht alle haben ein Haus oder eine Wohnung, wo diese Parameter genau stimmen. 

 

Stromertrag Solarpanel

Eine geneigte Fläche gegen Süden ist perfekt für den maximalen Stromertrag.  Grafik: energieheld.ch

Da mir der Winkel wichtig ist und ich das ganze am Balkon montieren möchte, werde ich wahrscheinlich das Set Tric F der Firma Wagner bestellen.

Auswertung für Bastler

Punkto Datenaufzeichnung sind dem Smart-Home-Bastler natürlich keine Grenzen gesetzt. Je nach Wechselrichter kann man auch ein Gerät bestellen, das zur herstellerspezifischen Cloud die Daten übermittelt. Ein guter Kompromiss an dieser Stelle ist der myStrom WiFi-Switch. Dieser schickt die Daten zwar auch in die mystrom-Cloud, aber es gibt auch eine Rest-API über welche die Benutzer:innen die Messwerte abfragen und weiterverarbeiten können.

Balkonkraftwerk in der Schweiz – Kosten und Nutzen 

Bei cirka 1000 Franken die ich für ein 600-Watt-Balkonkraftwerk ausgebe, frage ich mich natürlich schon, ob sich diese Investition irgendwann mal auszahlt.

Es wird übers Jahr verteilt – im Winter etwas weniger, im Sommer etwas mehr – cirka 500 bis 600 kWh Strom erzeugen. Diese muss ich dann nicht beim Energieversorger einkaufen. Die Rechenbeispiele gehen noch von den diesjährigen Strompreisen aus. Das ergibt dann cirka 80 – 120 Franken Ersparnis.

Nehme ich die Medienmitteilung des Bundes als Basis für die Berechnung und den Preis von 26.95 Rp./kWh, gibt es 134 – 162 Franken Ersparnis. Teilen wir jetzt grob die 1000 Franken Anschaffungskosten durch 145 Franken, dann muss das Balkonkraftwerk in der Schweiz sieben Jahre laufen. Dann hat es sich amortisiert.

Einspeisevergütung abklären

Rechnen wir jetzt noch 200 Franken für eine ordentliche Befestigung mit dazu, sind es schon 8,2 Jahre. Wir sollten in die Vorabklärung  einbeziehen, ob wir noch einen Elektriker für die Aussendose benötigen und ob der Zähler die Rückspeisung unterstützt. Müssen wir diesen tauschen, treibt das die Kosten auch noch mal nach oben. Das Thema Einspeisevergütung wird Recht gut bei energieheld.ch und bei energie-experten.ch erklärt. Allerdings sollten sich alle beim Netzbetreiber informieren, ob der Zähler bidirektional funktioniert und ob es eine Einspeisevergütung gibt.

Status des Projekts

Mein Balkonkraftwerk ist bestellt. Die Lieferung ist Mitte bis Ende Oktober vorgesehen, da es aktuell keine Wechselrichter gibt. Bei der Gemeinde läuft eine Anfrage, ob es für ein Balkonkraftwerk eine Genehmigung braucht. Das Feedback bis jetzt: Die Gemeinde muss es abklären. Ich sei der erste, der angefragt hat.

Demnächst bestelle ich die Befestigung. Das Ziel rückt näher.

base iframe
Autor:in: Stefan
Sahlender
Stefan Sahlender ist in der IT Welt verwurzelt. In seiner Freizeit tüftelt er viel an seinem Smart-Home und ist ziemlich wetterverrückt.
Kommentare
  • Viviana:

    Danke für den Bericht. Mutig von Dir zu bestellen, bevor Du die Genehmigung der Gemeinde hast. Das kann auch nach hinten losgehen….

  • Sebastian Bath Solarblitz:

    Hallo Stefan.
    Ich bin Solarexperte und verkaufe diese Anlagen. Bitte ändert doch die Bilder!
    1. Bild: Das ist ein 20W Modul. Das leistet praktisch keinen Beitrag, 20W im besten Fall 20kWh im Jahr. Dann macht das Geländer Schatten und reduziert die Leistung bei Sonne auf ca. 50 Prozent.
    2. Bild: Unsachgemässe Befestigung eines im Vergleich zu einem normalen 300-400W Modulen von 20kg doppelt so teuren Modul. Nicht UV-beständige Kabelbinder brechen nach wenigen Monaten an der Sonne! Und selbst wenn nicht ist das keine sachgerechte Befestigung, das müssten wenigsten deutlich stärkere Kabelbinder sein.
    Dazu kommt: Die Zellen sind empfindlich! Dieses Modul wird im Wind vibrieren. Ich befürchte, dass die Zellen dann Mikrorisse bekommen und das Modul so kürzer lebt…
    LG

Bewertungen
Bewertungen: