Der heilige Gral der Fleischersatz-
Produkte

4 Minuten
7. Juni 2024

Es gibt gleich zwei pflanzliche Fleischersatz-Produkte, welche alles Bisherige in den Schatten stellen. Und den Autor am Esstisch sprachlos machen. Eine Kolumne.

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Fleischersatzprodukte

Ein pflanzliches Steak von Planted – nochmal ein anderes Level von Fleischersatz.  Bild: Planted

«Hallo? Bist du noch da?», fragt meine Frau und schaut mich mit grossen Augen an. Sie sitzt mir direkt gegenüber, aber ihre Worte kommen in meinen Ohren an wie durch ein Kissen gesprochen. Ich nehme noch einen Schluck Wein, schüttle noch einmal ungläubig den Kopf und sage dann: «Unglaublich, das gibt’s gar nicht!»

Nicht der Wein macht mich sprachlos, sondern der Bissen von dem pflanzlichen Steak, den ich soeben wie auf Drogen gekaut habe. Ja, wir haben uns in den vergangenen Jahren schon durch die Palette von guten pflanzlichen Burgern gegessen und diese jeweils triumphierend unseren Gästen vorgesetzt, die unser fleischloses Dasein immer mit Verzicht gleichsetzten. Der beste pflanzliche Burger schafft auch bereits Zufriedenheit im Haushalt, in dem ein Fleischesser, eine Vegetarierin und zwei Veganer leben. Vielleicht bekommt der eine knappe 8 von 10 möglichen Punkten. Aber dieses Steak, das Planted auf den Markt gebracht hat? Das sprengt irgendwie die Skala.

Schon optisch ist es top. Kein liebloser Stampf, den die Maschine ausgeworfen hat. Nein, eine schöne Fleischtextur und Marmorierung hat es und die Konsistenz ist…die eines Steaks eben. Das ist tatsächlich der heilige Gral der Fleischersatz-Produkte, denke ich. Und erinnere mich an den Moment vor gut zwei Monaten, als meine Frau zum ersten Mal die Filets von Juicy Marbles auftischte und ich – als ob die Sonne zweimal am Tag aufgeht – mit einen ähnlich weggetretenen Blick durch die Gegend schaute. Auch dort: Textur, Konsistenz, Geschmack – phänomenal. Jetzt gibt es für den «heiligen Gral» zwar kein Plural. Aber sei’s drum – ich leg mich jetzt fest: Ja, das sind die beiden heiligen Grale der Fleischersatz-Produkte. Und nein, ich bin nicht befangen: die beiden Firmen haben noch mit keinem Franken in unserem Magazin geworben.

Meine Freunde – und generell besorgte Zeitgenossen – agieren dann ja jeweils schnell als Gesundheitspolizei («Aber die giftigen künstlichen Zusätze in diesen Fleischersatz-Produkten!»). Hier darf ich die Kollegen – bevor sie ihren leicht verbrannten Cervelat vom Grill nehmen – gerne beruhigen. Es gibt gar keine Zusatzstoffe beim Planted-Steak. Beide Produkte haben einen mittleren Energiegehalt, einen mittleren Fettgehalt, sind top beim Proteingehalt und tief bei gesättigten Fettsäuren.

Aber jetzt kommt der Clou: Beim Steak kommt sogar rote Sauce raus, wenn man mit dem Messer draufdrückt. Wie beim blutigen Stück Fleisch. Womit wir sofort beim anderen Geschrei sind. Dem Klassiker, den ja alle kennen. «Das regt mich uhuere uuf», sagen Nachbarn, Freunde und zuletzt ein Koch im Gespräch in einem Restaurant zum Umstand, dass vegane Würste eben auch Würste genannt werden, vegane Burger eben Burger und vegane Steaks eben Steaks. Die rote Sauce bringt solche Menschen erst recht zum Kochen. «Gahts no? Gseht us wie Bluet?»

Hier noch einmal zum Mitschreiben: Essen ist Kultur. Und das Fleisch gehört zu dieser Kultur dazu. Wir sind mit dem Geschmack aufgewachsen. Damit verbunden sind Erinnerungen an fröhliche Feste und Grillabende. Geschmacklich ist gegen Fleisch – für mich persönlich – nichts einzuwenden. Ich habe es immer geliebt. Wir grillieren auch diverses Gemüse, klar. Aber runden es mit etwas ab, das Umami und eine Rauchnote vereint. Wer jetzt – wie wir – aus ökologischen Gründen (die Produktion eines Planted-Steak emittiert rund 30 Mal weniger CO2 als sein tierisches Pendant) und um enormes Tierleid zu vermeiden auf Fleischersatz-Produkte umschwenkt, möchte trotzdem diesen Geschmack mitnehmen, diese Kultur, diese Erinnerungen. Wenn wir etwas Wurst nennen – was übrigens die Form beschreibt – dann verstehen wir sofort, worauf wir uns freuen können. Etwas Geräuchertes, das wir in Scheibchen schneiden. Ein Stück Kultur. Wäre es viereckig und würde Block34c heissen, ginge das flöten.

In diesem Sinne: Der Grillsommer kann kommen! Die beiden heiligen Grale sind in meinem Tiefkühler.

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Autor:in: Christian
Bürge
Der Journalist ist Co-Founder und Chefredaktor des Magazins
Go Green.
www.christianbuerge.com
Kommentare
  • Avatar-Foto Berni:

    Das weckt den Appetit!

    Bis jetzt kenne und schätze ich von den beiden Produkten nur die Jucy Marbles. Diese sind wirklich sehr gut – nur am Grill wollen sie mir nicht gelingen. Sie kleben sich am Rost fest, versucht man sie zu lösen, zerfallen sie. Hat jemand eine Tipp wie man diese Marbles kleblos grillt?

  • Avatar-Foto Paola Griesser:

    Wir machens auf der Platte am Grill – genug Öl darunter, damit es nicht klebt. Geht auch mit Öl auf dem Rost und zuerst 2-3 Mal schnell wenden.

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