Europa finanziert Putins Ukraine-Krieg – Zeit zum Umdenken!

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9. März 2022

Allein die EU finanziert den Ukraine-Krieg von Wladimir Putin über Gas- und Ölkäufe mit täglich einer Milliarde Euro. Auch die Schweiz bezieht russisches Gas. Der Gipfel der Perversion: Ein Teil wird durch die Ukraine geleitet. Die Energiewende ist so nötig wie nie zuvor.

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Ukraine Krieg

Chaos im Hauptbahnhof der ukrainischen Hauptstadt Kiew, wo Flüchtende um einen Platz im Zug Richtung Lwiw kämpfen. Bild: Keystone/AP/Emilio Morenatti

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Durch den Krieg ist Europa näher zusammengerückt. Viele Menschen gehen auf die Strasse, spenden Geld, Decken oder Lebensmittel für die Flüchtenden, welche zu Fuss, mit dem Zug oder im Auto in alle Richtungen unterwegs sind. Tumultuöse Szenen wie am Bahnhof in Kiew gehen um die Welt. Politiker zeigen sich in ergriffen und bekunden Solidarität. Harte wirtschaftliche Sanktionen wurden innert Tagen beschlossen. Nur: Der für Russland entscheidende Energiesektor wurde davon ausgenommen. Aus gutem Grund.

Ukraine-Krieg: Auch die Schweiz bezahlt indirekt mit

Eine Milliarde Euro bezahlen EU-Länder täglich an Russland. Alleine für Erdgas sind es 700 Millionen Euro. Der Energiekonzern Gazprom bestätigte diese Woche in Moskau, dass weiterhin täglich 109 Millionen Kubikmeter Erdgas nach Westeuropa fliessen. Die Bestellungen der europäischen Käufer gingen seit Inkrafttreten der Sanktionen gegen Russland sogar noch in die Höhe. Der Gipfel der Perversion: Das Gas strömt nicht nur durch die bekannte Nord-Stream-1-Röhre in der Ostsee, sondern auch direkt durch die Ukraine. Auch jetzt, während täglich Menschen flüchten oder sterben.

Auch die Schweiz konsumiert weiterhin russisches Gas. 15 Prozent der Energie werden in der Schweiz aus Erdgas gewonnen. Von den direkten Gasimporten stammen 47 Prozent aus Russland. Und auch der im Winter importierte Strom kann teilweise aus Gaskraftwerken stammen. Zudem: Firmen mit Sitz in der Schweiz wickeln über 80 Prozent des gesamten russischen Rohstoff-Handels ab.

In Deutschland ist die Abhängigkeit noch grösser. 2020 importierte der nördliche Nachbar 56,3 Milliarden Kubikmeter russisches Erdgas, rund 55 Prozent aller  Importe. Zudem importiert Deutschland jährlich rund 28 Millionen Tonnen Rohöl aus Russland.

Energie-Alternativen brauchen Zeit

Russland ist auf diese Einnahmen angewiesen. 45 Prozent der russischen Haushaltsmittel stammen aktuell aus Steuern und Zöllen auf den Export von Öl und Gas.

Das Problem: Europa ist Russland ausgeliefert. „Die Versorgung Europas mit Energie für die Wärmeerzeugung, für die Mobilität, die Stromversorgung und für die Industrie kann im Moment nicht anders gesichert werden“, gibt  der Deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz zu. Es werde mit Hochdruck an Alternativen gearbeitet. Dies gehe aber nicht von heute auf morgen.

Kohlekraftwerke mit längeren Laufzeiten?

Europa schaut nach anderen Gas-Lieferanten wie Norwegen – das aber derzeit schon knapp an der Kapazitätsgrenze ist – oder Algerien. Es wird auch fieberhaft nach Lieferanten für LNG, Flüssigerdgas, gesucht. Katar wäre ein Zubringer. Die nötige Infrastruktur in den Häfen zur Löschung der Fracht fehlt vielerorts aber. Darum wird auch ein zwischenzeitlicher Ausbau der Kohlekraft ins Auge gefasst, um die Abhängigkeit von Russland zu verringern. Als wäre der Krieg nicht schon schlimm genug, nimmt auch das Klima massiv schaden. Die Klimaziele geraten so in weite Ferne.

Europaweit ist energiepolitisch ein schnelles Umdenken erforderlich. Der Ausbau der erneuerbaren Energien wie der Photovoltaik – wie sie beispielsweise Greenpeace fordert – ist dringlich wie nie zuvor. Im Kleinen heisst dies auch: Wärmepumpen statt Öl- und Gasheizungen müssen zum Standard, und Gebäude saniert werden.

Ukraine-Krieg: Energiewende statt Aufrüstung

Wenn – wie in Deutschland – in schierer Panik schnell 100 Milliarden Euro für die Aufrüstung der Armee gesprochen werden, ist der Nutzen fraglich. Denn ein konventioneller Krieg zwischen Russland und einem Nato-Partner wie Deutschland – welche beide direkt oder indirekt über ein atomares Potential verfügen – ist laut Experten kaum denkbar.

Eine nachhaltige Energiepolitik mit starkem Fokus auf erneuerbare Energien, welche die europäischen Staaten inklusive der Schweiz unabhängig macht, ist hingegen eine Zukunftsinvestition mit Sinn. Und dringlicher denn je. In sie sollten wir investieren. Sie stoppt die finanzielle Unterfütterung von potentiellen Kriegsparteien wie des derzeitigen Aggressors Russland. Und gibt gleichzeitig dem Klima eine Chance.

Der Journalist ist Co-Founder und Chefredaktor des Magazins
Go Green.
www.christianbuerge.com

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