Ferien mit Housesitting: Im fremden Haus mit fremdem Haustier. Bild: TrustedHousesitters
Nach den Sommerferien ist vor den Herbstferien. Und wer die nächsten Ferien plant, muss sich früher oder später mit der Wahl der passenden Unterkunft auseinandersetzen. Soll diese nicht nur günstig, sondern auch nachhaltig sein, schrumpft das Angebot erheblich zusammen. So steht AirBnB zunehmend in der Kritik, Mietpreise in die Höhe zu treiben und die Wohnungskrise zu befeuern. Grosse Hotelketten verwandeln indes ganze Landschaftsstriche in Betonkomplexe. Hinzu kommen hohe Kosten für Zimmer, oder Apartments, die am Ende auch noch mitten in überlaufenen Touristenzentren liegen.
Eine nachhaltige und kostengünstige Alternative bietet das sogenannte Housesitting. Das Konzept ist einfach: Wer verreist, überlässt währenddessen das eigene Zuhause anderen Reisenden. Diese passen auf das Haus oder die Wohnung mitsamt Haustieren auf und dürfen im Gegenzug kostenfrei dort wohnen. Ein Tauschgeschäft, das Vorteile sowohl für Reisende als auch für Einheimische bietet.
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Housesits von Tagen bis einigen Monaten
Mittlerweile gibt es verschiedene Plattformen, auf denen sich Hausbesitzerinnen und interessierte Housesitter zusammenfinden können. Eine von ihnen ist MindMyHouse. Alan Koeninger und Susan Holtham aus Australien und Neuseeland haben die Plattform bereits 2005 gegründet. Für eine Jahresgebühr in Höhe von umgerechnet etwa 23 Schweizer Franken können sich Interessierte bei MindMyHouse ein Profil anlegen und nach passenden Housesits weltweit suchen. Aktuell sind fast 3400 Mitglieder angemeldet, hinzu kommen etwa 5880 Hausbesitzerinnen. Über die Plattform können beide Parteien Kontakt miteinander aufnehmen und die weiteren Details besprechen. Angebotene Housesits reichen von wenigen Tagen bis hin zu einigen Monaten und verteilen sich rund um den Globus.
Grosse Auswahl bei Trusted Housesitters
Neben MindMyHouse ist Trusted Housesitters die bekannteste und grösste Plattform für Housesitting. Hier sind laut Angaben des Anbieters über 100’000 registrierte Housesitterinnen und Hausbesitzer angemeldet. Die Mitgliedschaft ist allerdings auch weitaus teurer als bei MindMyHouse. Jahresabos für Hausbesitzerinnen starten bei rund 130 Schweizer Franken, für Housesitterinnen bei 111 Schweizer Franken.
Eher kleinere Plattformen sind PerfekteTiersitter, Housesitmatch und Nomador. PerfekteTiersitter legt den Fokus auf den deutschsprachigen Raum, die Mitgliedschaft kostet etwa 18 Schweizer Franken pro Jahr.
Katzen sind nicht so anspruchsvoll zu hüten wie Hunde und beim Housesitting die einfachere Variante für Leute, die das Modell einmal ausprobieren wollen. Bild: TrustedHousesitters
Echtes Leben statt Hotelatmosphäre
Theresa Auth und Christopher Keidel nutzen Housesitting regelmässig bei ihren Reisen rund um den Globus. Auf ihrer Website Housesitting-Welt vergleichen sie die einzelnen Plattformen und berichten von ihren eigenen Erfahrungen mit dieser Form des Reisens. Die Vorteile von Housesitting liegen für Theresa und Christopher auf der Hand: „Housesitting bietet die Chance, Orte und Menschen auf eine ganz andere Art und Weise zu erleben, als wenn man etwa im Hotel oder AirBnB wohnt. Wir bekommen viel mehr vom echten Leben mit, weil wir mittendrin sind: Ein Plausch mit den Nachbarn, auf den örtlichen Wochenmärkten einkaufen oder sogar an Nachbarschaftsfesten teilnehmen. Das alles sind Erlebnisse, die man nicht macht, wenn man im Hotel wohnt.“
Das kann Vanessa Lindner bestätigen. Sie ist in der Eventbranche tätig, kann aber digital von überall arbeiten. Ihren Alltag verbringt sie als Housesitterin auf der ganzen Welt. Ihre Erfahrungen teilt sie auf ihrer Website Housesitting-Nomaden. „Mich begeistert am Housesitting, dass es ein Gemeinschaftsprojekt auf Augenhöhe ist, bei dem alle profitieren und das ganz ohne Geld: die Gastgeberinnen, die eine kostenfreie Urlaubsvertretung haben; die Haustiere, die in ihrem gewohnten Umfeld und Alltag bleiben können; und die Housesitter, die eben dadurch neue Regionen kennenlernen und in verschiedene Leben schnuppern können“, sagt sie.
Vanessa Lindner kann dank ihrem Job überall arbeiten und nutzt dies für Aufenthalte mit Housesitting. Bild: Svenja Lindner
Freundschaften und Achtsamkeit statt oberflächliches Reisen
Nicht selten entstehen während eines Housesitting-Aufenthalts auch echte Freundschaften. „Aus einigen Housesits sind inzwischen langjährige Verbindungen, wiederkehrende Housesits und ganz besondere Beziehungen zu dem einen oder anderen Haustier entstanden“, sagt Vanessa.
Und auch in Sachen Nachhaltigkeit punktet Housesitting. „Die Reiseform hilft unserer Meinung nach dabei, schöne Orte so zu bewahren, wie sie sind: Wenn die Nachfrage nach Unterkünften durch den Tourismus steigt, werden natürlich auch immer mehr Hotels gebaut, was langfristig Wohnraum für die Menschen verknappt, die vor Ort leben, arbeiten und wohnen“, sagt Theresa. Zudem fördert das Housesitting eine langsamere und achtsamere Form des Reisens. „Man schaut sich nur einen oder zwei Orte einer Region an, diese dafür aber intensiver und detailreicher. Denn oftmals liegt die Schönheit eines Ortes in den Kleinigkeiten, die man aber schnell übersieht, wenn man etwa mit dem Auto jeden Tag woanders ist“, sagt Christopher.
Bewertungen helfen vor bösen Überraschungen
Natürlich läuft auch beim Housesitting nicht immer alles glatt. „Uns ist es einmal passiert, dass wir über eine Facebook-Gruppe ein Angebot annahmen, und sich später herausstellte, dass dies mit erheblich mehr Aufwand verbunden war, als vereinbart wurde. Leider gibt es hier immer wieder mal Leute, die die Housesitter:innen ausnutzen möchten, was aber zum Glück nur sehr selten vorkommt“, sagt Theresa.
Solche Erfahrungen lassen sich mit ein paar Vorkehrungen relativ einfach vermeiden. Grundsätzlich sollten Housesits nur über verifizierte Plattformen vereinbart werden. So ist sichergestellt, dass die Inserate echt sind und die Unterkünfte auch wirklich existieren. Ausserdem können andere Nutzerinnen Bewertungen zu den Mitgliedern abgeben, die einen guten ersten Massstab bilden.
Theresa und Christopher in einer Wohnung in Japan – ein langsameres und achtsameres Reisen. Bild: Theresa Auth und Christopher Keidel
Informationen einfordern – das A und O
Vanessa rät zudem: „Übernehmt Verantwortung – fordert die Informationen ein, die ihr braucht, haltet diese fest und lasst euch wichtige Informationen lieber einmal mehr bestätigen. Habt ihr wiederum feste Pläne oder Wünsche für die Zeit, sprecht auch das an.“ Am besten schaltet man sich einmal vorab per Video-Call zusammen, oder trifft sich noch besser persönlich. Die Übergabe sollte ebenfalls persönlich stattfinden, dabei sollten sich Interessierte von den Hausbesitzerinnen alles detailliert erklären lassen. Sprich: Wann bekommen die Haustiere ihr Futter und welches? Wo sind eventuelle Notfallmedikamente? Wo ist der Sicherungskasten und der Ersatzschlüssel? An wen kann man sich bei Fragen in der Nähe wenden? Vanessa empfiehlt auch, ein schriftliches Übergabeprotokoll zu erstellen und sich dieses unterschreiben zu lassen.
Katzen passen für Einsteiger besser
Interessierte Housesitter sollten sich ausserdem darüber bewusst sein, welche Fähigkeiten und Stärken sie mitbringen, was sie sich zutrauen und was nicht. Schliesslich übernehmen sie Verantwortung für ein fremdes Zuhause und ein Tier. „Ein Housesit ist kein 24/7-Entspannungsurlaub mit Rundumservice und allen Freiheiten der Welt. Man hat als Housesitterin Verpflichtungen und denen sollte man auch gerecht werden wollen“, sagt Vanessa. „Am besten probiert man das Konzept Housesitting erstmal mit einem kleineren Housesit aus, also mit einer Dauer von drei bis fünf Tagen und einem Haustier, das nicht zu viel Arbeit macht. Vielleicht auch in der Nähe des eigenen Wohnorts“, sagt Theresa. „Für Einsteiger:innen ohne Tiererfahrung empfehlen wir, Katzen-Housesits zu wählen. Manchmal gibt es auch Housesits ganz ohne Tiere. Es ist wie bei jeder neuen Tätigkeit oder beim Beginn eines neuen Hobbys: Man muss es erstmal ausprobieren, um zu wissen, ob es zu einem passt.“
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