Georg Klingler: "Brauchen 10 Mal mehr Solarenergie!"

10 Minuten
21. Mai 2022

Greenpeace fordert vom Parlament einen massiven Ausbau der Solarenergie. Georg Klingler ist bei der Umweltorganisation Experte für Energie- und Klimathemen. Er sagt im Interview, warum der Ausbau viel schneller gehen könnte, Atomstrom keine Option ist und eine europäische Produktion von Solarpanels uns in wenigen Jahren unabhängig machen kann.

 

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Solarenergie

Ein Bauernhof im Kanton Bern mit Solarpanels auf dem Dach – das Potential ist riesig.   Bild: istock.com

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Georg Klingler, während des Ukraine-Krieges ist die Nachfrage nach Solarenergie stark gestiegen. Inwiefern verändert dies die Greenpeace-Forderung für einen Solar-Sprint?

Georg Klingler: Der Ruf nach Solarenergie ist sicher populärer geworden. Was wir noch nicht erreicht haben ist, dass im Parlament der erhöhte Ausbau beschlossen wurde. Denn dies ist der Schlüssel. Bald berät die zuständige Kommission des Ständerats das Energiegesetz, in dem die Ausbauziele für erneuerbare Energien festgeschrieben werden. Dort sollen die Ausbauziele verdoppelt werden. Mindestens. Das ist die Forderung, die trotz dem gefühlten Run auf die Solarenergie bleibt.

Bist du dafür, die Solarenergie - wie von Greenpeace gefordert - drastisch auszubauen?

Sie fordern eine massive Erhöhung der Ausbauziele. Warum?

Ja, die Solarenergie und die anderen erneuerbaren Energien – ausser der schon gut etablierten Wasserkraft –  werden leider noch massiv unterschätzt. Der Bundesrat hat vorgeschlagen, dass 17 Terrawattstunden bis 2035 zugebaut werden sollen. Um rechtzeitig von den fossilen Energien loszukommen, braucht es jedoch 38 Terrawattstunden. Da sind alle erneuerbaren Energien ohne die Wasserkraft drin. Um das zu schaffen, braucht es eine Verzehnfachung der Photovoltaik. 30 der 38 Terrawattstunden sollen von Photovoltaikzellen kommen.

„Die FDP liebäugelt noch mit Kernenergie“

Von SVP und FDP gibt’s aber Gegenwind.

Momentan hält die SVP komplett dagegen. Aus meiner Sicht ist dies nicht verständlich. Denn die Solarenergie bringt viel für die Bauern und das lokale Gewerbe in der Schweiz. Wir sehen, dass die FDP noch mit Kernenergie liebäugelt, statt voll auf einheimische Energie zu setzen. Ich kann mir das nur so erklären, dass sie es schlicht nicht glauben, dass Solarenergie das kann, was wir heute wissen. Ein Stück weit ist es auch eine ideologische Abhängigkeit eines gewählten Pfades. Sie haben sich seit langem und kontinuierlich dafür eingesetzt und können nun nicht ohne Weiteres einen neuen Kurs fahren.

Könnten neue Atomkraftwerke überhaupt so schnell gebaut werden?

Nein, denn dafür braucht es erstmal einen heiss umkämpften politischen Schritt: Die Aufhebung des Verbots, neue Kernkraftwerke zu bauen, das vom Volk mit deutlichem Mehr angenommen wurde. Dann erst kommt die kantonale Standortbestimmung und die Erteilung einer Rahmenbewilligung – alles Schritte, die wiederum politisch legitimiert werden müssen. Folgt die Projektentwicklung und die Umsetzung – alles zusammen Prozesse, die, wenn alles wie am Schnürchen klappt, mindestens 20 Jahre brauchen. Vor 2040 gibt es darum mit hoher Sicherheit keinen Atomstrom.

„Wir brauchen den Ausbau der Solarenergie, um unabhängig zu werden“

Atomkraftwerk

Der Kernkraftwerk Leibstadt im Kanton Aargau: Für Klingler sind die Rufe nach einem Festhalten oder gar einem Ausbau der Atomkraft ideologisch getrieben und nicht zielführend.  Bild: pixabay

Sie wollen auch die Gas-Lieferungen aus Russland stoppen. Dabei beziehen wir cirka 47 Prozent unseres Gases von dort. Und Gas macht immerhin 15 Prozent der gesamthaft benötigten Energie aus. Hätten wir so schnell Alternativen?

Wir könnten uns wie andere Länder anderweitige Möglichkeiten suchen. Was natürlich auch eine Katastrophe ist, wenn wir in Unrechtsregimen wie in Katar oder Saudi-Arabien anstehen müssen. Viel besser ist es, jetzt mit vollem Elan auf die Unabhängigkeit von fossilem Gas zu setzen. Wir brauchen massive zusätzliche Investitionen in Energiesparmassnahmen und den Ausbau der erneuerbaren Energien, um unabhängig zu werden. Szenarien zeigen, dass dies schnell gelingen kann.

Auf dem Papier sieht ein Szenario mit Solarenergie gut aus. Aber wie schnell haben die Produzenten überhaupt die erforderlichen Kapazitäten? Momentan sind die grössten Anbieter nicht in der Lage, die Anfrage auch nur annähernd zu befriedigen. Weil das Material und die Arbeitskräfte dazu fehlen.

Das ist eine wichtige Frage. Es gibt Lieferprobleme, unter anderem auch deswegen, weil wir in Europa es verpasst haben, die eigene Solarindustrie fit zu halten. Früher war Europa mal das Mekka der Solarindustrie, heute ist es wegen der sehr kurzsichtigen Politik, die auf billiges Gas und Öl setzte, fast nur noch China. Zusätzlich hat Corona dort grosse Zulieferer zurückgeworfen. Ich rechne aber nicht mit grundsätzlichen Hemmnissen – die Kapazitäten und Rohmaterialien sind da. Bezüglich des Ausbaus im eigenen Land zeigen frühere Beispiele, dass sehr hohe Ausbautempi möglich sind. So hat beispielsweise das Bundesland Bayern von 2008 bis 2012 so schnell ausgebaut, wie wir es nun für die Schweiz fordern. Damals gab es deutlich weniger Solarprofis für Planung und Installation.

„Wir müssen ausbaden, was die Politik verschlafen hat“

Es dauert aber, professionelle Monteure auszubilden.

Es geht relativ schnell, um Personal anzulernen, wenn man das mal an die Hand nimmt. Jeder Dachdecker und jede Haustechnikerin kann Solarprofi werden. Mit einer Schulung zur Sicherheit auf dem Dach können auch Laien mitanpacken. Aber ja, wir müssen in die Behebung des Fachkräftemangels investieren und jetzt das ausbaden, was die Politik jahrelang verschlafen hat.

Weil der Druck für Veränderung auch nicht so gross schien.

Ja, die Verwendung von Gas mitsamt Ausbau der Zulieferkapazitäten war so einkalkuliert und schien für alle okay zu sein. Jetzt merken sie, dass das mit dem Gas keine gute Idee war. Aber das hätten sie wegen der Klimakrise schon früher realisieren müssen. Nicht erst jetzt, da uns ein Krieg akute Probleme aufzeigt.

Aber wie lange dauert es realistischerweise, bis die Solarindustrie mit genügend Fachkräften Ihr gefordertes Marschtempo mitgehen kann?

Das hängt vom politischen Willen ab. Die Solarfirmen sind schon jetzt mit Hochdruck daran, Leute anzuwerben und auszubilden. Auch Selbstbau-Genossenschaften, die Laien im grossen Stil miteinbeziehen, boomen. Die Bemühungen brauchen aber systematischen Support von der Politik, damit wir bis 2025 deutlich mehr Anlagen installieren können. Es braucht Ausbildungsgänge und Umschulungsprogramme – nicht zuletzt auch für all die Fachkräfte, die in einer klimafreundlichen Zukunft einen anderen Job brauchen. Diese Transition muss und kann sozial gerecht ablaufen und darf nicht alleine den Solarfirmen aufgelastet werden.

„Die Produktions-Probleme in der Solarenergie zeigen, wie kaputt unser Wirtschaftssystem ist“

Die Solarpanels kommen zu grossen Teilen aus China. Das ist in mehrerer Hinsicht problematisch. Nicht nur, weil es ein autoritäres System ist, das Minderheiten unterdrückt. Auch die Umweltbilanz der Panel-Produktion ist schlecht, da sie zu grossen Teilen mit Kohlestrom produziert werden. Drückt Greenpeace da einfach beide Augen zu?

Nein, die Probleme sind real und zeigen, wie kaputt unser aktuelles Wirtschaftssystem ist, das die günstigsten Produkte favorisiert und sich um soziale und ökologische Kosten foutiert. Insgesamt produzieren China und andere Länder zu grossen Teile unsere täglichen Konsumgüter unter schlechten ökologischen und sozialen Bedingungen. Das müssten wir nicht erst für die Photovoltaik lösen, und trotzdem kaufen wir den Mist nonstop.

Was ist der richtige Weg?

Fakt ist: Es ist nicht okay, wie es jetzt ist. Ein Land wie die Schweiz muss klarstellen, dass keine Module, die unter unmenschlichen Bedingungen hergestellt werden, importiert werden dürfen. Dafür müssen die Lieferketten einwandfrei offengelegt werden und unabhängig überprüft werden können, dass keine Zwangsarbeit involviert ist. Wenn ganze Länder das einfordern, dann werden die Hersteller in China umsteuern, weil sie merken, dass sie den Markt verlieren. Und die Umweltbilanz ist trotz Verwendung von Kohlestrom deutlich besser als die von Gaskraftwerken oder Atomkraftwerken.

„Wir waren mal Solarpioniere und sollten die Produktion wieder zu uns holen“

Georg Klingler

Georg Klingler von Greenpeace: „Die Umweltbilanz der Produktion von Solaranlagen in China ist trotz Verwendung von Kohlestrom deutlich besser als die von Gaskraftwerken oder Atomkraftwerken.“ Bild: Greenpeace

70 Prozent der ganzen Produktion kommen aus China. Dann gibt es noch ein paar weitere südostasiatische Länder wie Vietnam und Malaysia, die mitmischen. Uns fehlen angesichts des knappen Angebots wohl die Alternativen zu China. Oder nicht?

Ja leider haben wir die europäische Solarindustrie fast komplett verloren. Wir haben zum Glück noch ein paar wenige Solarfirmen mit grossem Know-how – um diese herum können wir nun schnell wieder einen europäischen Markt aufbauen. Schon heute kann man Module kaufen, die mit erneuerbarem Strom hergestellt wurden. Wir waren mal Pioniere und wir sollten nun die Produktion wieder näher zu uns holen und sozialer wie auch ökologischer machen.

„Wir sollten mit der Solarenergie auf keinen Fall warten“

Aber das dauert.

Ja, ich schätze mal sicher drei bis fünf Jahre. Ich als Einzelkunde kann zwar schon in Europa kaufen. Aber es reicht nicht für einen flächendeckenden Bedarf. Und um unabhängig zu werden vom deutlich schlimmeren Übel, von Erdgas, Erdöl und Kohle, sollten wir auf keinen Fall warten, bis in Europa wieder grössere Kapazitäten vorhanden sind. Wir sollten versuchen, die Panels, die wir bekommen können, zu verbessern und gleichzeitig Kapazitäten aufbauen. Das würde den Druck auf China enorm erhöhen.

Fehlt hier auch etwas der Pioniergeist?

Gerade bei der Solarenergie ist hat die Schweiz sehr innovative Pioniere, die schon seit Jahren zeigen, was die Solarenergie bei der Produktion von Wärme und Strom alles kann. Dass diesbezüglich noch viel Potenzial ungenutzt ist, ist ein Resultat der einseitigen Politik für billige fossile Energien aus dem Ausland. Das können wir jetzt schnell ändern. Wenn es für Tesla möglich ist, in drei Jahren eine Giga-Factory zu bauen, dann können wir auch in zwei Jahren wieder massive Produktionskapazitäten für Solarmodule schaffen. Sicher ist: mit dem üblichen Klein-Klein und alten Denkmustern geht es zu langsam.

„Solarkraftwerke haben einen unschlagbaren Vorteil“

Stromproduktion

Das Gesamtenergieszenario von Greenpeace bis 2050 sieht einen massiven Ausbau der Photovoltaik vor.  Grafik: Greenpeace Schweiz

Wie steht es um die Rohstoffe? Müssen wir das Poly-Silizium nicht auch aus China beziehen?

Ja, das kommt zu grossen Teilen aus China. Aber der Hauptgrund für die dortige Produktion liegt an der billigen Energie, sprich am Kohlestrom. Und nicht an der Verfügbarkeit von Silizium. Das wäre fast überall verfügbar. Das ist nicht wie bei Kobalt, das wir fast nur aus dem Kongo beziehen können.

Wenn ich eine Solaranlage auf mein Hausdach kaufe, sie mit Kohlestrom in China produziert ist und nach 30 Jahren nicht mehr zu gebrauchen ist, wie sieht dann die Klima- und Umweltbilanz aus?

Dazu gibt es Untersuchungen vom Bundesamt für Umwelt mit Zahlen zum Jahr 2018. Diese zeigen: in der Gesamtumweltbelastung ist Strom von Photovoltaikanlagen etwa fünfmal besser als solcher aus einem Atomkraftwerk oder einem Gaskraftwerk. Mit der Wasserkraft kann der Solarstrom aber nicht mithalten. Bei solchen Analysen ist der negative Effekt auf die Biodiversität am Ort der Produktion nicht mitgerechnet. Da haben Solarkraftwerke auf bestehenden Häusern, versiegelten Flächen und Infrastrukturbauten einen unschlagbaren Vorteil.

„Punkto Treibhausgasemissionen ist Solarstrom 15 Mal besser als ein Erdgaskraftwerk“

Und wenn es nur um die Treibhausgasemissionen geht?

Schaut man nur die Treibhausgasemissionen an, dann ist Solarstrom etwa 15 Mal besser als ein Erdgaskraftwerk, aber etwa dreimal schlechter als ein Atomkraftwerk. Das kommt daher, dass heute der Grossteil der Module mit Kohlestrom produziert wird. Wenn wir dafür erneuerbare Energien einsetzen, dann können wir den Treibhausgas-Fussabdruck der Photovoltaik nochmals runterbringen. Kommt noch die Energierücklaufzeit: innerhalb eines Jahres ist die Energie, die in die Produktion gesteckt wurde, wieder gewonnen.

Und ab dann ist die Solarenergie unschlagbar?

Ja. Die restlichen 29 Jahre – wenn wir von 30 Betriebsjahren ausgehen – haben wir dann sauberen Solarstrom. Dazu im Vergleich: ein Atomkraftwerk oder ein Gaskraftwerk haben keine Rücklaufzeit. Da müssen wir dauernd von aussen Energie zuführen, um Strom zu haben. Zum Schluss noch eine Bemerkung zur Solarthermie, die oft vergessen geht: Die ist wirtschaftlich und ökologisch absolut unschlagbar und sollte ebenso viel schneller ausgebaut werden, um Heizöl und Erdgas zu ersetzen.

„In unserem Szenario gibt es im Sommer riesige Überschüsse“

Die Stromüberschüsse, welche die Solarenergie im Sommer produziert, sollen in Zukunft besser genutzt werden. Durch Produktion von Wasserstoff oder Methan als Langzeitspeicher beispielsweise. Können Sie das ausführen?

Viele haben das noch nicht kapiert: es ist viel günstiger die Solarenergie so stark auszubauen, dass wir im Winter durchkommen, als mit teuren Speichern einen saisonalen Ausgleich hinzubekommen. In unserem Szenario bauen wir darum deutlich mehr Photovoltaik zu, als es in der Bilanz braucht. Das führt dazu, dass es im Sommer riesige Überschüsse gibt. Im Jahr 2050 sind das 20 Terrawattstunden, was einem Drittel des gesamten heutigen Strombedarfs entspricht. Diese Überschüsse sind aber nicht verloren, denn damit können wir grünen Wasserstoff und synthetisches Methan oder Methanol produzieren. Diese erneuerbaren Energieträger sind wichtig, damit die vollständige Dekarbonisierung auch bei schweren Maschinen, Hochtemperaturprozessen und dem Flugverkehr gelingen kann. Wir brauchen den grünen Wasserstoff oder das synthetische Methan also nicht, um dann im Winter in Gaskraftwerken Strom zu produzieren, sondern um fossile Energien auch überall dort loszuwerden, wo eine Elektrifizierung nicht so einfach ist.

Photovoltaik Zubau

Photovoltaik-Zubau: Das deutsche Bundesland Bayern als Vorbild für die Schweiz.  Grafik: Greenpeace Schweiz

Wie sehr rechnen Sie damit, dass wir die Batterien von Elektroautos bidirektional bald nutzen werden? Also als Speicher fürs Stromnetz?

Unser Szenario zeigt, dass wir beträchtliche Batterieleistungen brauchen, um die Stromnetze zu entlasten. Die Tagesspitzen werden so ausgeglichen und der Strom auch für die Nacht verfügbar gemacht. Wir sollten daher diese Idee weiterverfolgen. Es ist viel ökologischer und wirtschaftlicher, wenn wir sowieso vorhandene Batterien intelligent nutzen, darum sollten bidirektionale Ladestationen heute von der Politik stärker gefördert werden, beispielsweise in dem sie von den Steuern abgezogen werden können. Ohne viel Bürokratie. Das wäre eine wichtige Fördermassnahme.

„Keine Art der Energieproduktion ist ohne negativen Effekt auf die Umwelt“

In "Planet of the humans”, der Dokumentation von Michael Moore, wird mit erneuerbaren Energien hart abgerechnet. Gerade auch was das Recycling betrifft. Denn es kommt billiger, neue Panels mit neuen Rohstoffen herzustellen als alte zu rezyklieren.

Wo er recht hat: Keine Art der Energieproduktion ist ohne negativen Effekt auf die Umwelt. Wie auch kein Konsum ohne negative Folgen bleibt. Aber wenn wir die Alternativen vergleichen, ist die Solarenergie halt immer noch die bessere Option. Technisch können Solaranlagen und auch Batterien praktisch vollständig recycelt werden. Kluge Politik sorgt dafür, dass das auch effektiv passiert.

„Der Solarausbau muss als Ersatz von Öl und Gas geplant werden, nicht als Zusatz“

Richard Yorke, ein Experte der Oregon State University, sagt, dass in allen Energie-Transformationen der Geschichte, von Biomasse zu Kohle, von Kohle zu Öl, am Ende keine Reduktion des ersten herausgeschaut hätte. Alles kam zusätzlich. Und es werde auch diesmal nicht anders sein. Das goldene Zeitalter der Sonnenenergie sei eine Utopie. Was sagen Sie dazu?

Leider hat er recht. Der neuste Klimabericht zeigt genau das: Obwohl alle angeben, viel für den Klimaschutz zu leisten, steigen die Emissionen bis heute. Ich sehe das auch bei vielen Nachhaltigkeitsstrategien von Unternehmen. Sie bieten zusätzlich noch einen sogenannt grünen Fond oder eine vegane Alternative an. So lange wir das alles aber nur als Zusatz betreiben, nimmt die Belastung in der Summe zu. Darum ist es so wichtig, dass der Solarausbau als Ersatz von Öl und Gas konzipiert wird. Dahinter muss eine ganzheitliche Politik stehen, welche die Klimaemissionen effektiv auf Null bringt. Aber es ist halt viel einfacher, Förderungen zu beschliessen, als zu sagen: Benzin, Heizöl oder Erdgas sind in Zukunft verboten.

Georg Klingler Heiligtag hat Umweltnaturwissenschaften an der ETH Zürich studiert und sich auf Energie- und Klimathemen spezialisiert. Aktuell ist er Fachexperte und Kampagnenleiter bei Greenpeace Schweiz und betreibt einen Bauernhof in der Nähe von Zürich.

Autor:in: Christian
Bürge
Der Journalist ist Co-Founder und Chefredaktor des Magazins
Go Green.
www.christianbuerge.com

Kommentare

  • Maja V.:

    Gutes Interview! Die Kehrtwende der FDP ist ja schon erstaunlich. Fukushima? Ach, das ist doch schon 11 Jahre her! Und der Abfall? Irgendwo findet sich dann schon ein Loch. Aber bitte weit weg von mir. Abgesehen davon, dass wir so ein Ding wie erklärt gar nicht so schnell bauen könnten. Ist mir schleierhaft, warum die nicht auch für Solarenergie sind. Das kann doch unsere Wirtschaft massiv ankurbeln. Die FDP-Wirtschaftsturbos müssten das doch genial finden.

  • Michael M.::

    Schade, dass die Windenergie tabu scheint. Wieso fordert niemand einen massiven Ausbau der Windenergie?

  • Peter:

    Ich habe eine 20kWp Anlage, ich weiss wovon ich spreche. Euer Unwissen ist unerträglich. Ihr wollt es einfach nicht wahrhaben, dass es ohne Kernenergie nicht gehen wird. Wer liefert im Winter den Strom für eure gewünschten 2 Millionen Wärmepumpen ich habe ein Wärmepumpe, aber auch ein perfekt isoliertes Plusenergiehaus, Im Dezember und Januar kommt nichts nennenswertes vom Dach. Unglaublich euer Journalismus.

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