ID.BUZZ im Test - mit Video

5 Minuten
25. November 2022

Die Go Green-Mobilitätsexperten Roger Rusch und Bernard van Dierendonck haben den neuen VW ID.BUZZ im Test auf Herz und Nieren geprüft. Fazit: Ein Fahrzeug, das Spass macht, relativ kostspielig ist, ein paar Abstriche hat und einen guten Kompromiss von Grösse und Reichweite bietet.

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ID.Buzz Test

Der VW ID.BUZZ im Test: Fahrspass mit gutem Kompromiss zwischen Grösse und Reichweite.

Für diesen Test stellte uns die AMAG Winterthur kostenlos einen ID.BUZZ Pro in der Maximalkonfiguration zur Verfügung. Unser erster Eindruck: Wer’s wie wir eher modern mag, findet den eBulli ansprechend. Die häufig vorgebrachte Kritik «Viel Plastik, billige Anmutung» können wir nachvollziehen, aber nicht teilen. Das Interieur passt zum verspielten ID.BUZZ. Für ein Nutzfahrzeug halten wir die Kunststoffe unter Abnützungs-, Beschädigungs- und Reinigungsaspekten für klug. Die Verarbeitung machte einen guten Eindruck, und ausser dem unschön abstehenden Deckel des Ladeanschlusses waren keine Fabrikationsmängel zu entdecken.

Fahrerlebnis

Das Fahren des ID.BUZZ macht Spass. Die 150 kW (204 PS) haben mit den 2,5 Tonnen viel Arbeit, aber die wird in 10.2 Sekunden bis 100 km/h zügig erledigt. Die Pferdchen eines Verbrenner-Multivans brauchen dazu bedeutend mehr Zeit. Auch auf der Autobahn ein angenehmer Geräuschpegel – es fühlte sich nicht an, als sei man mit einem Nutzfahrzeug unterwegs.

Das Fahrwerk finden wir optimal abgestimmt: Strassenunebenheiten werden gut gedämpft, und gleichzeitig kann man den eBulli auch sportlich in die Kurven treiben.

Ein-Pedal-Fahren (One-Pedal-Driving) ist bei allen ID-Autos nicht möglich. Zudem ist die Rekuperation auf dem Fahrpedal selbst im B-Modus eher schwach, was zur Verlangsamung den häufigen Wechsel aufs Bremspedal erfordert. Schade, zählt doch das Ein-Pedal-Fahren zu den grossen Komfortvorteilen eines Stromers.

Platzangebot und Camping

Es sitzt sich angenehm im ID.BUZZ, sowohl vorne, als auch auf der Rückbank, wo es lediglich zweieinhalb Plätze statt deren drei hat, trotz der Breite von 1.99 Meter. Die Rückbank lässt sich ein wenig verschieben, aber nicht herausnehmen.

Die umgeklappte Rückbank bildet mit dem dahinter liegenden Zwischenboden eine plane Fläche von knapp zwei Metern. Einen Camp-Modus, der das Fahrzeug schliesst, aber Klima und Musik eingeschaltet lässt, haben wir nicht gefunden. Auch lässt sich die Heckklappe nicht von innen schliessen. Die Klimaanlage fanden wir im Stand relativ gut hörbar. Wer nächtliche Frischluft direkt von aussen wünscht, muss vorne ein Seitenfenster runterdrehen, denn hinten gibt es weder öffenbare Fenster noch eine regengeschützte Frischluftklappe.

VW nennt ein Ladevolumen von 1’121 bis 2’205 (bei umgeklappter Rückbank) Litern bzw. fast vier Kubikmeter bei der Cargo-Variante. Der ID.BUZZ hat keinen Frunk (vorderer Kofferraum).

Effizienz, Reichweite, Laden

Wir fuhren den ID.BUZZ mit Winterreifen bei 10 – 15°C aussen und 20°C innen. Nach der Testrunde von 250 Kilometern (Autobahnanteil ca. 20%) zeigte der Bordcomputer einen Verbrauch von 23.2 kWh auf 100 Kilometer, was rechnerisch eine Reichweite von 332 Kilometer ergibt. 350 Kilometer halten wir im Sommer für möglich. Angesichts von Grösse und Gewicht des Fahrzeugs sind 23.2 kWh ein sehr guter Wert, nur ist halt die realistische Reichweite weit weg von der Prospektangabe.

Das Laden von 10 – 80% meisterte der ID.BUZZ an einer Ionity-Ladesäule in exakt 30 Minuten. Eine halbstündige Pause alle 230 Kilometer erscheint uns praktikabel. Lädt man bis 100%, liegen bis zum nächsten Ladehalt sogar 300 Kilometer drin.

 

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ID.BUZZ Testfahrt

Der Go Green-Autoexperte Roger Rusch (r.) schaut, ob Go Green-Autor Bernard van Dierendonck im VW ID.BUZZ auch liegen kann.  Bild: Daniel Stadelmann

Software, Unterhaltung, Bedienung

Die Version 3 der ID.Software kann Routen inklusive Ladestopps planen. DAB+ und Webradio-Stationen sowie Wireless Apple Carplay und Android Auto stehen zur Verfügung.

Die Sprachbedienung hinterliess einen zwiespältigen Eindruck: Wünsche wurden öfter mit längerem «Bitte warten…» und «Die Verbindung kann nicht hergestellt werden» quittiert. Die Touch-Bedienung am Lenkrad fanden wir suboptimal. Es kann zu ungewollten Mehrfachdrückern kommen, und die Suche nach einer Taste mit auf die Strasse gerichteten Augen interpretiert das Lenkrad auch mal als Streichgeste.

Für die meisten Software-Funktionen und die Sprachbedienung ist ein «We Connect Plus»-Vertrag notwendig. Dieser ist im ersten Jahr (bzw. während der ersten drei Jahre bei Wahl des Navigationssystems «Discover Pro») kostenlos (danach CHF 139 pro Jahr).

Fahrassistenz & Sicherheit

Die Bedienung der Fahrassistenten über viele Knöpfe am Lenkrad erschien uns etwas «Old School» und übermässig kompliziert. Ein zusätzlicher Hebel, wie man es von anderen Herstellern kennt, wäre eine intuitivere, ablenkungsfreiere und sicherere Lösung.

Der Lenkassistent verrichtet seine Arbeit auf der Autobahn tadellos. Schönes Fahren in der Spur und kein Ping-Pong zwischen Mittel- und Aussenlinie. Bei Einfahrt in eine Ortszone wird das Tempo vor und nicht erst bei der 50er-Tafel reduziert.

Uns fehlte die akustische Kommunikation des Fahrhelfers. Kommt der nicht mehr klar oder greift der Fahrer ein, erfolgen keine hörbaren Signale. Der Lenker weiss so nie genau, ob der elektronische Co-Pilot grad bei der Arbeit ist oder nicht. Diese Info erhält man lediglich über ein kleines grünes/graues Icon. Diese Kommunikationsunlust haben wir auch bei anderen Marken erlebt und halten sie für gefährlich.

Der Notbremseassistent hätte in 2 Situationen eingreifen sollen, was er nicht tat: einmal bei einem von rechts den Vortritt nehmenden Lastwagen, und dann bei einem spontan auf den Fussgängerstreifen tretenden Passanten.

Preis, Ausstattung, Garantie

Der ID.BUZZ startet preislich bei knapp 68’000 Franken. Für diese stolze Summe erhält man einen modernen, elektrischen Van mit 4,5 Sitzplätzen und 1’121 Liter Ladevolumen hinter der Rückbank. Aussen grau und innen grau. Sämtliche Annehmlichkeiten, Funktionen und Designelemente kosten extra.

Mit den aus unserer Sicht sinnvollsten Paketen ergibt sich ein Gesamtpreis von nahe CHF 80’000. In der maximalen Konfiguration kommen nochmals CHF 5’000 dazu.

Die Standardfahrzeuggarantie beträgt bei VW magere 2 Jahre (ohne Kilometerbeschränkung). Für die Hochvoltbatterie sind es 8 Jahre oder 160’000 Kilometer.

ID.BUZZ Test: Das Fazit

Der ID.BUZZ macht Spass und ist viel angenehmer zu fahren als sein Verbrenner-Pendant. Die realistische Reichweite von 330 – 350 Kilometer mag etwas knapp erscheinen, was aber durch das schnelle Nachladen zum Teil kompensiert wird. Stärkere Rekuperation auf dem Fahrpedal könnte etwas zusätzliche Reichweite (und Komfort) ermöglichen.

2’200 Liter Ladevolumen (bei umgeklappter Rückbank) und die nicht herausnehmbare Rückbank sind für einen Bus nicht die Wucht. Andere Marken bieten ohne Rücksitze je nach Grössenvariante (S, M, L) 3’600 – 4’900 Liter. Aber: VW ist beim ID.BUZZ ein guter Kompromiss zwischen Grösse und Reichweite gelungen.

68’000 – 85’000 Franken sind für einen Bus ohne Campingausstattung ein happiger Preis. Im Betrieb ist die Stromvariante jedoch viel günstiger als ein baugleicher Verbrenner. Deshalb ist ein gut ausgestatteter ID.BUZZ nach Gesamtkosten sogar günstiger als ein «nackter» T7 Multivan 1.5 TSI für CHF 49’000.

IDBuzz

Der VW ID.BUZZ ist bei den jährlichen Kosten (TCO) günstiger als der Verbrenner.  Grafik: Roger Rusch

Video des ID.BUZZ im Test:
Kamera und Schnitt: Bernard van Dierendonck, www.vandierendonck.ch
Kamera: Daniel Stadelmann, www.filmconnection.ch

Haben wir dein Interesse geweckt?

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Der ID.BUZZ Test fand im Rahmen der Kooperation mit der AMAG Automobil und Motoren AG statt. Die Redaktion und das Testergebnis ist unabhängig davon.

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Autor:in: Roger
Rusch
Meine Passionen sind nachhaltiger Umgang mit Menschen in Organisationen und mit der Umwelt. Dazu engagiere ich mich in Führungs- & Teamentwicklung sowie in der Elektromobilität.
www.ceo-plus.ch
Bernard van Dierendonck ist Fotograf, Journalist und Bergführer. Ende 2022 wurde er auch Botschafter von POW Schweiz (Protect our Winters).
vandierendonck.ch
Kommentare
  • René Klingler:

    sehr interessanter Test vom ID-Buzz!! irgendwie steckt noch immer ein bisschen Bulli drin, schön gelöst

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