Kinder und KI: So nutzen wir die Chancen und meiden die Fallen

3 Minuten
2. April 2026

Künstliche Intelligenz ist längst Teil des Alltags von Kindern und Jugendlichen. Doch wie viel Unterstützung ist sinnvoll – und wo liegen die Risiken? Beim Swisscom Online-Elternabend diskutierten Expert:innen Chancen und goldene Regeln für den Umgang mit KI. Ganz wichtig: Entscheidend ist nicht die Technologie, sondern wie wir sie nutzen.

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Kinder und KI

Kinder nutzen KI bereits vielfältig: Wir müssen sie begleiten und die verschiedenen Anwendungen sinnvoll nutzen.  Bild: istock.com

Wenn wir an KI denken, haben die allermeisten nur ChatGPT im Kopf. Dabei ist sie überall. Die Digitalexpertin Sarah Genner brachte es gleich zu Beginn des Swisscom-Elternabends auf den Punkt: „Wir reden heute oft über Chatbots wie ChatGPT – aber KI ist schon viel länger im Alltag von Kindern präsent. Social-Media-Feeds, Empfehlungsalgorithmen oder Lernsysteme: Das alles ist bereits künstliche Intelligenz.“ Und: „Chatbots sind für viele Jugendliche fast so etwas wie ein digitaler Begleiter geworden – sie haben immer eine Antwort, sind immer verfügbar.» Gerade darin liegt eine grosse Chance – aber auch eine neue Verantwortung.

Kids und KI – der ganze Elternabend zum Nachschauen

Auf dem Swisscom-Youtube-Kanal gibt es die ganze Sendung zum Thema KI und Kids zum Nachschauen. Weitere Themen und Ratgeber rund um die Medienkompetenz finden sich auf dem Swisscom Campus.

KI kann beim Lernen helfen – aber auch das Denken ersetzen

Im Schulkontext zeigt sich besonders deutlich, wie ambivalent KI ist. Der Primarlehrer und „KI-Pionier“ Werner Odermatt sagt: «KI kann wie ein Coach unterstützen. Sie hilft, Dinge anders zu erklären, individuell auf Schülerinnen und Schüler einzugehen.» Gleichzeitig warnt er vor falscher Nutzung: «Wenn wir einfach alles der KI überlassen, dann lernen wir nichts mehr. Dann ist es wie früher beim Abschreiben – man hat das Resultat, aber nicht den Lernprozess.» Sarah Genner geht damit einig: «Problematisch wird es dann, wenn Kinder das Denken auslagern. Lernen passiert nicht zwischen Bildschirm und Klick – sondern im eigenen Kopf.»

Die wichtigste Regel: „Nie als Erstes, nie als Letztes“

Ein Satz zieht sich durch den ganzen Elternabend – und wird mehrfach betont: „Nie als Erstes und nie als Letztes KI nutzen.“ Das heisst: Die Idee und erste Ansätze sollten immer von uns selbst kommen. KI kann dann als Sparringspartner helfen und die Gedanken strukturieren. Und am Ende sollten wir das Ganze nochmals selbst überarbeiten. Weil es soll ja – egal ob Hausaufgaben oder sonst etwas – unser eigenes Werk sein. Werner Odermatt sagt: „Die Verantwortung bleibt immer beim Menschen. KI kann und soll unterstützen – aber das Ergebnis muss am Ende wieder dein eigenes sein.“

KI als Sparringspartner – auch für persönliche Themen

Ein spannender Punkt: Jugendliche nutzen KI nicht nur für die Schule. Sarah Genner zeigt dabei einen spannenden Punkt auf. „Für viele Jugendliche ist KI auch ein Sparringspartner – manchmal sogar eine Art Lebensbegleiter.“ Gerade bei sensiblen Themen könne das hilfreich sein. „Jugendliche stellen Fragen zur Pubertät oder zu persönlichen Themen, die sie vielleicht niemandem sonst stellen würden.“ Wichtig sei jedoch auch hier: „KI sollte immer ergänzend zu echten Beziehungen sein – nicht als Ersatz.“

Die Risiken: Fake, Deepfakes und Desinformation

Neben den Chancen wurden auch klare Risiken benannt. Michael In Albon, Jugendmedienschutz-Beauftragter von Swisscom, sagt: „Eine der grössten Gefahren ist, dass KI falsche Informationen produziert – und dass diese als wahr weiterverbreitet werden.“ Noch problematischer sei die Manipulation: „Heute kann jeder in Sekunden Bilder oder Videos verfälschen. Deepfakes sind so gut geworden, dass man sie kaum noch erkennt.“ Aber was ist dann die Lösung? Wie unterscheiden wir echt von Fake? „Wir müssen lernen, stärker auf den Kontext zu achten: Woher kommt ein Bild? Passt es zur Situation? Welche Quelle steht dahinter?“

Vertrauen statt Verbote

Wichtig im ganzen Kontext ist: Es braucht Regeln, aber auch Vertrauen statt Verbote. „Es geht nicht darum, alles zu verbieten – sondern im Gespräch zu bleiben. Kinder brauchen Vertrauen und Begleitung“, sagt Michael In Albon. „Wichtig ist, dass Kinder wissen: Sie können jederzeit zu uns kommen – auch wenn etwas schiefgelaufen ist.“ Sarah Genner ergänzt: „Es ist sinnvoll, über Regeln zu sprechen – zum Beispiel auch über Altersgrenzen. Aber genauso wichtig ist ein spielerischer, gemeinsamer Zugang.“

Fazit: Nicht die KI ist entscheidend – sondern unser Umgang damit

Die wichtigste Erkenntnis des Abends: Die Expert:innen plädieren für eine offene, neugierige Haltung. Michael In Albon sagt: „Probiert es aus, experimentiert damit. Es ist eine so coole Welt. Gleichzeitig kann man sich jedoch auch die Finger dran verbrennen.“ Sarah Genner ist dafür, ohne Angst auf die neuen Möglichkeiten zuzugehen. „Bleibt lernfreudig, begleitet eure Kids, wie ihr sie auch bei allem anderen begleitet. Und bleibt optimistisch. Die Forschung zeigt: Wer optimistisch ist, lebt länger.“

In Kooperation

Dieser redaktionelle Beitrag entstand im Rahmen der Kooperation mit Swisscom. Er entspricht den Nachhaltigkeitsanforderungen von Go Green.

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Autor:in: Go
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