Klima schonen, Talente fördern: Wie Unternehmen mit sozialer IT neue Wege gehen

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7. Juli 2025

Notebooks, Monitore, Tastaturen – Unternehmen erneuern ihr IT-Equipment regelmässig. Die GEWA, eine Stiftung für berufliche Integration, bietet dafür professionelle Rollouts, die den Umweltschutz stärken und Perspektiven schaffen für Menschen mit psychischen Herausforderungen. Ein Besuch beim Krankenversicherer Visana in Bern zeigt: Das Modell birgt für Unternehmen grosses Potenzial.

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Visana Talente fördern

Neues IT-Equipment wird installiert, altes recycelt – dabei schafft die GEWA mit sozialer IT auch noch Perspektiven für Menschen mit psychischen Herausforderungen.  Bild: GEWA

Tim* geht es wieder richtig gut. An diesem Vormittag arbeitet der 20-Jährige erstmals im Kundenservice. Am Hauptsitz des Krankenversicherers Visana in Bern hilft er den Mitarbeitenden, ihr neues Notebook einzurichten. Funktionieren alle Passwörter, laufen die Programme, sind die Chat-Verläufe auf dem aktuellen Stand?

Talent fördern – Fachkräfte gewinnen

Es ist kaum ein Jahr her, da erlitt Tim mentale Zusammenbrüche und musste seine Lehre abbrechen. Bald darauf erhielt er eine neue Chance bei der GEWA – einer Stiftung für berufliche Integration, wo er jetzt als Informatiker arbeitet. Sein Jobcoach und sein Teamleiter unterstützen ihn. GEWA steht für „Gemeinsam Wagen“. Menschen mit psychischen und teils körperlichen Herausforderungen können in einem geschützten Arbeitsumfeld einen passenden Beruf erlernen oder ausüben. Ziel ist es, die Betroffenen wieder in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren.

„Die Arbeit in der Informatik macht mir grossen Spass, sodass ich mein Pensum relativ rasch von 50 auf 100 Prozent erhöhen konnte“, erzählt Tim über seine Erfahrungen mit sozialer IT. Der aufgeweckte junge Mann startet im August die vierjährige Lehre als Informatiker – in einem regulären Unternehmen. „Darauf freue ich mich sehr, aber ich werde mein Team bei der GEWA vermissen“, sagt er.

Sozialer IT

Tim* hat grossen Spass bei der Arbeit für die GEWA – und steht jetzt vor einer Lehre als Informatiker.  Bild: GEWA

Effiziente Rollouts dank Erfahrung und Kooperation

An diesem Vormittag ist Tim einer von rund 12 GEWA-Mitarbeitenden, die beim grossen Rollout vor Ort mitarbeiten. Allein am Standort Bern tauschen sie 1200 Notebooks, Keyboards und Monitore aus. Dafür wurde eigens eine „Strasse“ mit Check-in und Check-out eingerichtet. Alles ist durchorganisiert: Die Visana-Mitarbeitenden geben am Check-In ihre alten Notebooks ab. Diese werden inventarisiert und die Mitarbeitenden erhalten ein neues Gerät. Damit gehen sie zu Tim und seinen Arbeitskolleginnen und -kollegen, die es gemeinsam mit ihnen einrichten. Zwölf Tage dauert der gesamte Rollout. Markus Bolt, Projektleiter seitens GEWA hat schon zig solcher Rollouts bei KMU und grösseren Unternehmen durchgeführt. „Dank der Kooperation mit einer Partnerorganisation in Deutschland können wir unsere Dienstleistung auch grenzübergreifend anbieten“, sagt er – „und dies zu marktüblichen Preisen“.

Fast alle Geräte erhalten ein zweites Leben

Die alten Notebooks und Monitore werden nicht etwa entsorgt. Die Abteilung „Multimedia“ der GEWA löscht die Daten auf den alten Geräten fachgerecht. Anschliessend testet sie die Geräte. In der Werkstatt werden kleinere Reparaturen gemacht und schliesslich werden die Geräte frisch aufgesetzt und mit einer zweijährigen Garantie verkauft. „Auf diese Weise können wir die Lebensdauer der Geräte fast verdoppeln“, sagt Bolt. „Zu unseren Abnehmern zählen grössere Unternehmen, KMU und Schulen, aber auch Privatpersonen.“ Allein 2024 hat die GEWA 18 Schulen mit Secondhand-Geräten ausgerüstet.

Rund 96 Prozent der Geräte erhalten ein zweites Leben. Das spart jährlich gut 3408 Tonnen Treibhausgasemissionen oder genauer, CO2-Äquivalente, und der Verbrauch an Metallen und Mineralien kann um fast 690 Kilo gesenkt werden.

GEWA Mitarbeiter

Das Rollout bei der Visana ist exakt durchgeplant und die Mitarbeitenden vor Ort haben schnell wieder einen funktionierenden Arbeitsplatz.  Bild: GEWA

Für die Gesellschaft eine wichtige Institution

Die Visana hat bereits 2021 gemeinsam mit der GEWA einen Rollout durchgeführt. „Die Zusammenarbeit hat uns überzeugt und deshalb war klar, dass wir sie beim aktuellen Rollout wieder engagieren“, sagt Bertrand Volken, Leiter Nachhaltigkeit bei Visana. „Für uns als Unternehmen stehen bei diesem Projekt die Regionalität und die soziale Nachhaltigkeit im Vordergrund. Die GEWA ist eine wichtige Institution für die Gesellschaft“, sagt Volken. Gerade Reintegration sei für sie als Krankenkasse ein wichtiges Thema, das man auch unterstützen wolle.

Mitarbeitende für Umweltschutz sensibilisieren

Ein weiteres wichtiges Argument für die Visana ist die ökologische Nachhaltigkeit. „Die Visana verfolgt einen Netto-Null-Strategie“ erklärt Volken. Aber gerade ein Rollout verursacht hohe Treibhausgas-Emissionen. „Deshalb war es für uns klar, dass wir das nicht mehr benötigte Equipment der GEWA zur Wiederaufbereitung überlassen.“ Dass es dafür CO2-Zertifikate gebe, sei ein schöner Nebeneffekt aber nicht zentral gewesen. „Fast noch wichtiger ist, dass wir unsere Mitarbeitenden auf diese Weise für Klima- und Umweltschutz sensibilisieren“, betont Volken.

Mit dieser Art der Wertschöpfungskette kann die GEWA im Multimediabereich 83 Arbeitsplätze bieten, davon drei Ausbildungsplätze. „Es ist ein zukunftsgerichtetes Arbeitsfeld, das wir fördern und ausbauen wollen“, erklärt Bolt. So sollen mehr Menschen wie Tim eine neue Chance auf dem Arbeitsmarkt erhalten. Der angehende Lehrling hat inzwischen vier Notebooks fertig eingerichtet. Sein Ziel: Bis zum Feierabend sollen es mindestens 14 werden.

*Name von der Redaktion geändert.

Visana Rollout

Bertrand Volken (l.), Leiter Nachhaltigkeit von Visana und Markus Bolt, Projektleiter der GEWA, arbeiten Hand in Hand und sind sich einig über Vorteile sozialer IT.  Bild: GEWA

GEWA Multimedia für nachhaltige IT-Lösungen

GEWA Multimedia ist ein erfahrener Partner für IT-Rollouts in Unternehmen und garantiert einen sicheren und schnellen Abbau der alten IT-Infrastruktur und Aufbau der neuen IT.

Sie organisiert den Sicherheitstransport des ausgetauschten IT-Equipments ins Sicherheitszentrum, wo die Daten gelöscht und die Geräte in den ursprünglichen Zustand zurückgesetzt werden. Neben der fachgerechten Entsorgung von Alt-Geräten gehört das Refurbishment zu den Kernkompetenzen von GEWA Multimedia.

Die GEWA ist ein sozialwirtschaftliches Unternehmen mit Sitz im Raum Bern. Die Stiftung befähigt Menschen mit psychischen Herausforderungen, ihren Platz in der Arbeitswelt (wieder) zu finden. Dafür bietet die GEWA verschiedene wirtschaftliche Dienstleistungen an. Das IT-Remarketing ist dabei einer der grösseren Bereiche.

Die Visana

Die Visana gehört zu den führenden schweizerischen Kranken- und Unfallversicherern. Sie bietet die obligatorische Krankenpflegeversicherung, Zusatz- und Sachversicherungen, Unfallversicherungen sowie Vorsorgelösungen und Autoversicherungen an. Visana versichert Privat- und Unternehmenskunden. Zu letzterem zählen auch Institutionen und Verbände. Für Unternehmenskunden bietet sie Lohnausfall- und Unfallversicherungen an. Darüber hinaus gehören Hausrat-, Gebäude-, Privathaftpflicht- und Rechtsschutzversicherungen zum Angebot. Am Hauptsitz in Bern und in rund 50 Agenturen in der ganzen Schweiz beschäftigt Visana rund 1’400 Mitarbeitende, davon zwei Drittel Frauen.

In Kooperation

Diesen Beitrag erstellte Go Green im Rahmen der Kooperation mit der GEWA. Er entspricht den Nachhaltigkeitsanforderungen von Go Green.

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Autor:in: Go
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