Wer nachhaltig anlegen will, sollte sich gut beraten lassen und unbedingt auch Fragen stellen. Bild: istock.com
Eine Entscheidung vorneweg, die zentral ist: Wir müssen zuerst wissen, ob eine Kundin oder ein Kunde eher interessiert ist an verantwortungsbewussten oder nachhaltigen Anlagen – oder ob er oder sie keine besonderen Präferenzen hat.
Ist es aber nicht. Seit Anfang 2024 wird unterschieden zwischen verantwortungsbewussten und nachhaltigen Geldanlagen. Erstere zielen darauf, finanzielle Risiken zu reduzieren, die sich aus Umwelt-, Sozial- oder Governance-Faktoren (ESG) ergeben. Bei nachhaltigen Anlagen steht dagegen im Vordergrund, eine positive Wirkung auf Umwelt oder Gesellschaft zu erzielen.
Bei nachhaltigen Anlagen steht das Erreichen eines positiven Effekts im Vordergrund. Die Investition soll mit ökologischen oder sozialen Zielen vereinbar sein oder aktiv zu deren Erreichung beitragen.
Wenn wir überlegen, welche Auswirkungen der Klimawandel auf Firmen wie Nestlé hat – etwa auf die Kaffeeproduktion –, ist das finanziell relevant. Es geht dabei nicht um die Wirkung der Firma auf die Umwelt, sondern um die Finanzrisiken für das Unternehmen, wie Hitzewellen oder Überschwemmungen. Bei nachhaltigen Anlagen hingegen geht es darum, was meine Investition fürs Klima bewirkt.
Jede Person hat einen Einfluss dadurch, wie sie ihr Geld investiert. Der Einfluss ist für Einzelpersonen kleiner, als jener einer Pensionskasse. Die Summe aller Menschen hat aber einen spürbaren Einfluss. Es bleibt jedoch schwierig zurückzuverfolgen, wie viel CO2 dank einer einzelnen Investition eingespart wurde. Oder welchen Anteil ich hatte, dass das Kohleunternehmen nicht mehr zum Kredit gekommen ist. Aber in der Summe aller Kleinanlegerinnen und Kleinanleger hat es immer eine Wirkung.
Der WWF hat ein Ranking der Top-Hebel für Privatpersonen gemacht. Neben Wahlen und Abstimmungen gehören demnach auch Finanzanlagen zu den wirksamsten Möglichkeiten, das Klima zu beeinflussen.
Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf die Kaffeeproduktion und damit Firmen wie Nestlé? Bei verantwortungsbewusstem Anlegen geht es um solche Fragen. Bild: istock.com
Der Schweizer Finanzplatz ist gross und international relevant. Die investierten Gelder haben weltweite Auswirkungen – und damit einhergehend kommt auch Verantwortung.
Seit September 2024 gilt laut der Schweizerischen Bankiervereinigung: Eine nachhaltige Geldanlage muss eine messbare Wirkung auf Nachhaltigkeitsziele haben. Wie das gemessen wird, hängt vom Finanzinstitut ab – und genau darin liegt die Herausforderung.
PostFinance bietet derzeit noch keine Anlage mit Wirkung an, arbeitet aber an einem nachhaltigen Vermögensverwaltungsmandat mit Klima-Netto-Null-Ziel. Wir fokussieren uns auf das Klima, weil sich dieses Ziel messen und nachvollziehen lässt.
Wir verfolgen das Klima-Netto-Null-Ziel. Innerhalb dieses Ziels heisst das für uns: Wir wollen nicht in klimaschädliche Industrien, sondern in klimafreundliche Lösungen investieren und die Transformation der Wirtschaft fördern. Dabei wählen wir Fonds aus, die das Klima-Netto-Null-Ziel glaubwürdig umsetzen. Wir deklarieren eine Verträglichkeitswirkung. Gemäss Bundesrat soll man zwischen «Verträglichkeit» und «Beitrag» unterscheiden.
Verträglichkeit heisst, dass man indirekt wirkt, etwa durch Investitionen in Unternehmen, die sich auf den Weg zu Netto-Null begeben. Ein Beitrag bedeutet, dass dank der Investition nachweislich CO₂ reduziert wird. Unser Mandat ist ein Verträglichkeitsprodukt, kein Beitragsprodukt.
Greenwashing ist meist ein Kommunikationsproblem – die Diskrepanz zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was tatsächlich passiert. Wenn du jemandem sagst, dieses Finanzprodukt kompensiere drei Flüge nach New York und spare so viele Tonnen CO₂, aber das nicht effektiv bemessen kannst. Oft beruhen fragwürdige Nachhaltigkeitsversprechen auf übertriebenen oder unpräzisen Aussagen. Wichtig ist, dass Kundinnen und Kunden kritisch nachfragen.
Die Labels decken meist mehrere Nachhaltigkeitsthemen ab. Die Kundenberatung spielt deshalb eine zentrale Rolle: Kundinnen und Kunden sollten nachfragen, was die Bank unter nachhaltigen und verantwortungsbewussten Anlagen versteht – und was nicht.
Es kommt darauf an, wie das Institut Nachhaltigkeit definiert. In unserem neuen Mandat wäre es möglich, dass wir in Unternehmen mit höheren Emissionen investieren – etwa in der Zementindustrie –, wenn sie klare, wissenschaftlich basierte Klimaziele verfolgen und sich auf einem Transformationspfad befinden.
Begrünte Fassaden haben eine Wirkung auf die Wohnungstemperatur – wie der Impact des angelegten Vermögens aufs Klima. Bild: istock.com
Der Fall von Erdölunternehmen wie Shell hat sich im Prinzip erledigt: Sie haben ihre Klimaziele aufgegeben. In einem nachhaltigen Mandat mit Klima-Netto-Null-Ziel wäre ein Investment heute nicht vertretbar.
Das ist genau der springende Punkt und verweist auf die Unterscheidung zwischen «Risiko» und «Wirkung» – also verantwortungsbewusst und nachhaltig. Der MSCI ESG bewertet, wie gut ein Unternehmen ökologische und soziale Risiken im Griff hat – nicht seine Wirkung aufs Klima. Das erklärt, warum solche Firmen teilweise hohe ESG-Ratings erhalten.
Die Swiss Climate Scores sind beispielsweise Kennzahlen, die Orientierung schaffen. Sie helfen, die Wirkung einer Geldanlage aufs Klima zu erkennen. Sie zeigen etwa den CO₂-Fussabdruck, den Klimapfad oder ob Unternehmen aktiv im Dialog stehen. PostFinance weist diese Werte für alle Fonds und Vermögensverwaltungsmandate aus.
Nein, im Gegenteil. Die Swiss Sustainable Finance Marktstudie 2025 zeigt, dass nachhaltige Anlagen weiter zunehmen – überproportional zum Gesamtmarkt. Besonders Privatanlegerinnen und -anleger treiben das Wachstum.
Gemäss Studien der HSLU aus dem Jahr 2024 interessiert sich rund die Hälfte der Bevölkerung für nachhaltige Investitionen.
Nicht jedes Produkt passt für alle. Anlegerinnen und Anleger sollten ihre Wünsche klar äussern, Fragen stellen und sich bewusst machen, welchen Einfluss ihr Geld haben kann. Das ist Teil der persönlichen Verantwortung.
Ivo Mugglin leitet die Fachstelle Sustainable Investing bei PostFinance. Die Fachstelle überwacht die Nachhaltigkeitsziele im Asset-Management-Bereich, verbessert die Transparenz hinsichtlich nachhaltiger und verantwortungsbewusster Geldanlagen der PostFinance und arbeitet bei der Produktausgestaltung mit.

Wie sieht mein CO2-Fussabdruck aus?
Du möchtest klimafreundlicher leben, aber dein persönlicher CO2-Fussabdruck bleibt ein Rätsel? Ob beim Einkaufen, Reisen oder Daheim – jetzt weisst du genau Bescheid.
Hier gehts zum Artikel „Einkaufen, Fliegen, Wohnen – dieses Konto zeigt deinen CO2-Fussabdruck“.
Dieser redaktionell produzierte Beitrag entstand im Rahmen der Kooperation mit PostFinance. Er entspricht den Nachhaltigkeitsanforderungen von Go Green.
Nachhaltige Ideen bei Go Green
Interessiert dich nachhaltiges Business und das Zusammenspiel mit Finanzen? Hier haben wir beispielsweise einen Artikel zu günstigerer Technik und wie sie die Wirtschaft grüner macht.

Nachhaltigkeit beim Investieren ist und bleibt für Bankkund*innen ein komplexes und mässig transparentes Thema (auch mangels Standardisierung). Umso wichtiger ist es, das Thema immer wieder zu beleuchten. Danke für den Beitrag!