Scheinbedürfnisse - und was dir wirklich guttut

4 Minuten
4. August 2022

Ob beim Shopping oder beim Abhängen auf Insta & Co. – wir befriedigen oft Scheinbedürfnisse ohne uns wirklich zu spüren. Unser Achtsamkeitstrainer und Shinrin-Yoku-Experte Hassan Hjaij sagt: Der erste Schritt aus der Abwärtsspirale ist, sich selbst zu beobachten.

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Scheinbedürfnisse

Von der Selbsttäuschung in die Selbstwahrnehmung: Wichtig ist es, die Ruhe zu finden und nicht ein Bedürfnis nach dem anderen zu befriedigen.  Bild: pixabay

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Hast du dich schon einmal gefragt, was dir wirklich wichtig ist? Kennst du deine wahren Bedürfnisse, die dich langfristig erfüllen? Gelingt es dir auch, diesen nachzugehen, oder bist du zu sehr mit Wichtigerem beschäftigt oder von den vielen Möglichkeiten abgelenkt?

Die Angst, etwas zu verpassen

Wir leben in einer Zeit, in der wir unzählige Möglichkeiten haben. Die Angst etwas zu verpassen oder der Wunsch, überall dabei zu sein und dazuzugehören, können dazu führen, dass wir uns selbst verlieren. Unser Umfeld und die Gesellschaft beeinflussen unsere Bedürfnisse. So passiert es schnell, dass an Stelle unserer wahren Bedürfnisse dann Scheinbedürfnisse treten. Shoppen, auf Insta scrollen und so weiter. Die Achtsamkeit geht dabei verloren.

Befriedigst du oft die Bedürfnisse, welche dir nicht guttun?

Wegweiser

Die Qual der Wahl: Wir haben unzählige Möglichkeiten und merken gerade manchmal deswegen nicht, was uns gut tut.  Bild: pixabay

Scheinbedürfnisse führen in die Abwärtsspirale

Wie geblendet versuchen wir diese Scheinbedürfnisse zu befriedigen und selbst wenn uns das gelingt, fühlen wir uns dennoch leer, oder nur sehr kurzweilig befriedigt. Dies hat zwei logische Gründe: 1. Wir erleben in diesem Fall, dass das, wovon wir glaubten, dass es uns erfüllt, uns doch nicht erfüllt. Dies kann ziemlich frustrierend und irritierend sein. 2. Für das was uns wirklich erfüllen würde (sofern wir das vor lauter Scheinbedürfnissen überhaupt noch erkennen) bleibt leider keine Zeit mehr.

So verstricken wir uns in eine immer enger kreisende Abwärtsspirale. Egal wie sehr wir uns auch bemühen und ein Scheinbedürfnis nach dem anderen befriedigen, tief in uns bleiben wir unruhig und leer.

Meister der Ablenkung – aus Angst

Von morgens bis abends beschäftigen wir uns damit, scheinbar wichtige Dinge zu erledigen, Erwartungen zu erfüllen und irgendwelchen Menschen zu gefallen. Wenn dann doch mal etwas Zeit für uns übrig bleibt, lenken wir uns eifrig ab. Auch weil wir uns nicht mit uns selbst konfrontieren wollen. Die Angst, dass etwas zum Vorschein kommt, was wir lieber verdrängen möchten, ist zu gross. Gefühle schrecken uns ab. Solche, die uns klarmachen könnten, dass wir ein Leben führen, welches eigentlich gar nicht zu uns passt. Oder dass unsere festgefahrenen Muster und Überzeugungen uns mehr hindern, als dass sie uns weiterhelfen.

Kompass

Der innere Kompass: Wo liegt deine Freude wirklich?  Bild: pixabay

Der innere Kompass

Dabei sind genau diese Momente und Erfahrungen so unglaublich wichtig für uns. Unser Unterbewusstsein, unsere Gefühle, die Freude und unsere wahren Bedürfnisse sind der Kompass, der uns durch das Leben führt. Er kann uns den Weg in ein erfülltes und glückliches Leben aufzeigen. Solange wir diesen missachten, werden wir uns immer leer fühlen. Egal, was wir haben oder erleben. Ausserdem werden diese Signale immer lauter und präsenter, bis sie sich schliesslich als Krankheiten bemerkbar machen.

Von der Selbsttäuschung in die Selbstwahrnehmung

Der erste Schritt aus dieser Spirale hinaus beginnt damit, dass du beginnst hinzuschauen und ehrlich mit dir zu sein. Denn erst dadurch kannst du beginnen, dich bewusst zu entscheiden.

  • Frage dich: Weshalb möchte ich das tun und was verspreche ich mir davon?
  • Frage dich: Erfüllt mich das? Will ich es wirklich?
  • Frage dich: Wie fühle ich mich, wenn ich das gemacht oder erreicht habe?

Solche Fragen führen dich direkt zu dir. Die Erkenntnisse, die du daraus gewinnen kannst, sind nicht immer nur angenehm. An dieser Stelle ist es entscheidend, dass du achtsam und geduldig mit dir bist. Es geht nicht darum, dass du dein Leben von heute auf morgen komplett veränderst und nur noch machst was dir gefällt.

Nicht gegen Zweifel und Ängste wehren

In erster Linie geht es nur ums Beobachten und ehrlich zu dir zu sein. Sollten Zweifel, Ängste oder andere Gefühle in dir auftauchen, die du vielleicht als unangenehm empfindest, dann versuche dich in diese hineinzu-entspannen und dich nicht dagegen zu wehren. Denn auch diese Gefühle sind Botschaften deines Unterbewusstseins, welche dir wertvolle Informationen geben können. Durch verdrängen verstärken sich diese lediglich und wirken negativ auf dich ein, ohne dass du das bewusst erkennst.

 

Bedürfnisse

Wenn du erkennst, was deine wirklichen Bedürfnisse sind, kannst du bewusster entscheiden. Bild: pixabay

Schaffe Platz für deine Bedürfnisse

Erst wenn du erkennst, was dich wirklich erfüllt und was du einfach nur tust, weil es die anderen Menschen in deinem Umfeld auch machen, kannst du damit beginnen bewusster zu entscheiden, wie du deine Zeit und Energie investieren möchtest. Mit der Zeit erkennst du deine Scheinbedürfnisse immer klarer und kannst dir selbst nicht mehr so einfach etwas vormachen. Du brauchst diesen dann auch nicht mehr länger nachzugehen. Dadurch schaffst du enorm viel Zeit und Möglichkeiten, um dich auf deine wahren Bedürfnisse zu konzentrieren, die dich wirklich erfüllen. Das ist auch ein Akt der Selbstliebe!

Willst du mehr über unseren Waldbaden-Experten Hassan Hjaij und Shinrin-Yoku wissen? Oder bei ihm einen Termin buchen? Hier gehts zu seiner Website!

Autor:in: Hassan
Hjaij
Hassan Hjaij ist Achtsamkeitstrainer, Meditationslehrer und transpersonaler Coach. Er ist zudem Shinrin-Yoku-Experte und gründete die Erlebniswelt Waldbaden Ostschweiz.
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