SimpleTrain - "Wir wollen nicht nur Zugreisen buchen"

5 Minuten
17. Februar 2022

SimpleTrain soll so sein, wie es heisst: Einfach. 2019 rief Marius Portman mit einigen Studienfreunden das Start-up ins Leben. Es soll die Planung und Buchung der eigenen Zugreise komfortabler und günstiger machen. Ein Selbsttest zeigt: Das kann sich durchaus lohnen!

 

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Simpletrain

Wer mit dem Zug ins Ausland verreisen will, kann mit SimpleTrain Zeit, Geld und Nerven sparen. Bild: istock.com

2019 sagte der damalige SBB-Chef Andreas Meyer, die Klimadiskussion habe die Nachfrage nach Zugreisen bei jungen Menschen erhöht. Zugfahren gilt für viele jedoch im Vergleich mit anderen, umweltschädlicheren Transportmitteln als die teurere Variante. Marius Portmann, ein Student aus Zürich, nahm sich 2019 der Sache an und gründete das Start-up SimpleTrain. «Wir wollen nicht nur Zugtickets buchen, sondern auch das Umdenken in der Gesellschaft angreifen. Viele denken beim Verreisen sofort ans Fliegen in die Ferne. Die Menschen können aber auch Europa mit dem Zug entdecken.»

SimpleTrain macht die Planung

SimpleTrain nimmt den Reisenden die Planungsarbeit der eigenen Zugreise ab. Dies soll komfortabler sein als bei anderen Anbietern, da SimpleTrain die fehlende länderübergreifende Zusammenarbeit bei der Koordination von Zugreisen übernimmt. Und einem dazu auch noch ein möglichst günstiges Billett anbieten möchte. SimpleTrain will die Reisenden auch dort abholen, wo es schwierig wird. Stichwort Gruppenreisen, Veloreisen, Nachtzüge und Autozüge. Nach einer Registrierung auf simpletrain.ch werden einem auf Anfrage innerhalb von 24 Stunden die komfortabelsten und günstigsten Verbindungen angeboten.

Nachhaltiges Reisen steht im Vordergrund

Die Besonderheit hier ist die Chatfunktion, bei der Kund:innen direkt mit SimpleTrain kommunizieren können. Während andere Anbieter automatisierte Algorithmen benutzen, setzt SimpleTrain auf die individuelle Bearbeitung von Anfragen. Portmann sagt dazu: «Möchte jemand in einer Gruppe oder mit dem Fahrrad weiter verreisen, ist es kaum möglich, so eine Reise einem Algorithmus zu überlassen ohne dass es zu komplex oder teuer wird.»

SimpleTrain möchte vor allem die jüngeren Reisenden zwischen 20 und 40 Jahren ansprechen. Als Student motivierte sich der Gründer Marius Portmann dazu, über Facebook und E-Mail Planungsleistungen anzubieten. Mit Erfolg. Zusammen mit anderen Studierenden gründete er 2019 SimpleTrain. Auch um Zugfahren wieder attraktiver zu machen. Die Nachhaltigkeit stand hier im Vordergrund. „Nachhaltige Mobilität wird oft mit Jahreszahlen wie 2030 oder sogar 2050 genannt. Ich möchte mit SimpleTrain jetzt meinen Beitrag zur nachhaltigen Mobilität leisten“, sagt Austin Widmer, einer der aktuellen Geschäftsführer. Begonnen haben Portmann und sein Team nach eigenen Angaben mit 20 bis 30 Buchungen pro Monat, im Sommer 2021 waren es bereits über 200.

Migros-Pionierfonds unterstützt SimpleTrain

SimpleTrain wird über den Migros-Pionierfonds unterstützt und nimmt für eine abgeschlossene Buchung einen bestimmten Betrag als Kommission. Portmann sagt, dass dieser Betrag auch nur 10 bis 15 Franken pro Person ausmachen kann. „Bei einer Reise für beispielsweise vier Personen aus der Schweiz nach Bordeaux sind es 65 Franken pro Dossier.“

 

Team Simpletrain

Das Team von SimpleTrain mit Saskia, Marius, Austin (oben v.l.) sowie Karin und Linus (unten). Bild: SimpleTrain

Selbsttest: Einfach registrieren und reisen

Im Selbsttest funktioniert das Ganze so: Nach einer kurzen Registrierung lässt sich entweder eine Anfrage über ein Formular oder über einen freien Text stellen. Auf eine fünfminütige Formular-Anfrage für eine Zugreise im Februar von Fribourg nach Rom kam am nächsten Morgen die Offerte. Das Angebot bestand aus mehrteiligen Vorschlägen für die einzelnen Strecken und die Hin- und Rückfahrt. Auch für Nachtzüge wurden Angebote mit Preisen präsentiert. Ganz am Ende stand die Bearbeitungsgebühr, welche SimpleTrain hierfür forderte: 25 Franken.

Über die SBB dauert das Ausfüllen des Formulars länger. Alle notwendigen Informationen müssen über mehrere Seiten verteilt angegeben werden. Ausserdem wird der Preis des Tickets erst ganz am Ende angezeigt. Am Ende der Buchung zeigt das Formular an, die Reise müsste über das Offerte-/Bestellformular bestellt werden. Da es nicht möglich ist, die komplette Reise über die Webseite der SBB anzuzeigen. Wie sieht das bei den italienischen Anbietern aus? Da gibt es mehrere, inklusive Trenitalia. Ein Drittanbieter konnte keine Reise von Fribourg nach Bern anbieten. Auf der Trenitalia-Seite konnte Fribourg nicht als Stadt eingegeben werden. Damit war die Suche beendet.

SimpleTrain – trotz Gebühr im Test günstiger

SimpleTrain bot nach Ausfüllen des Formulars im Vergleich die kürzeste Reise mit den wenigsten Umstiegen an. Der Vorteil: Reisende haben alles auf einer Seite und können direkt mit jemandem in Kontakt treten, um die Reise anzupassen. Bei der SBB erfahren die Reisenden erst später, dass die direkte Buchung so nicht möglich ist und entweder übers Online-Formular, einen Anruf oder einen Gang zum Schalter gelöst werden muss. Im Preisvergleich für die getestete Reise kostet das günstigste Ticket bei SimpleTrain jeweils 78 Franken pro Fahrt. Plus die 25 Franken Bearbeitungsgebühr. Also 181 Franken für die gesamte Reise. Vergleichbare Reisen bei der SBB im selben Zeitraum kosten insgesamt mindestens 265 Franken. Bei unserem Beispiel kostet das Ticket bei der SBB also 84 Franken mehr.

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Autor:in: Mara
Wehofsky
Die geistes- und sozialwissenschaftliche Studentin ist interessiert an gesellschaftlichen Zusammenhängen und will zeigen, dass Nachhaltigkeit für jede*n relevant und umsetzbar ist.
Kommentare
  • Avatar-Foto Bernard van Dierendonck:

    Vielen Dank für diesen Artikel. Simple Train füllt mit diesem Angebot eine grosse Lücke. Und das Preisbeispiel motiviert – auf nach Rom! 😉

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