Solarenergie - Greenpeace zeigt Weg zu netto null bis 2035

3 Minuten
2. Februar 2022

Solarenergie macht derzeit nur 4 Prozent im Schweizer Strommix aus. Greenpeace Schweiz fordert nun einen massiven Ausbau der Photovoltaik bis 2035. So sollen bis zu 30 000 neue Arbeitsplätze entstehen.

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Solarenergie Greenpeace Schweiz gogreen

Die Zukunft ist schon da: Ein Wohnblock in Zürich Oerlikon mit Solarpanels auf dem Dach.  Bild: istock.com

Eine Studie im Auftrag von Greenpeace Schweiz zeigt: Die Solarenergie hat ein gewaltiges Potenzial, um zum Strom-Hauptlieferanten bis 2050 zu werden. Sie kann nicht nur die Wasserkraft überholen, sondern würde die Schweiz auch unabhängig von Atomstrom machen. Die Schweiz könne so das 1,5-Grad-Ziel, das im Pariser Klimaabkommen festgelegt wurde, einhalten. Bei der anstehenden Revision des Energie- und Stromversorgungsgesetzes soll der Ausbau der Solarenergie darum deutlich vorangetrieben werden.

Solarpanels auf Autobahnen, Staumauern, Skihütten

Statt der vom Bundesrat vorgeschlagenen 17 Terrawattstunden aus erneuerbaren Energien sollen bis 2035 mindestens 38 Terrawattstunden stammen. Expert:innen der University of Technology in Sidney (UTS) rechnen vor, dass sich dank dem Ausbau der Photovoltaik bis 2030 die CO2-Emissionen des Energiesystems um 60 Prozent senken liessen. Bis 2035 gar um 90 Prozent. Die verbleibenden Emissionen könnten durch Entfernung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre ausgeglichen werden. Dies durch den Wiederaufbau von Klimarelevanten Ökosystemen. „Wir haben einen riesigen Nachholbedarf“, sagt Georg Klingler, Energie- und Klimaexperte bei Greenpeace Schweiz. „Derzeit haben wir pro Kopf nur zwei Quadratmeter Photovoltaik verbaut. Wir streben aber 25 Quadratmeter an. Der grosse Joker von Solarenergie ist, dass fast alle Infrastrukturen nutzbar sind. Nebst allen Dächern und auch Autobahnen, Staumauern, Skihütten. Und auch Balkonkraftwerke sind möglich.“

Klingler befürwortet auch die Forderung von Bundesrätin Simonetta Sommaruga nach einer Solarpflicht für alle Neubauten. Dazu hat Sommaruga das Bundesamt für Strassen (Astra) beauftragt, die Stromproduktion mittels Solardächern auf Autobahnen zu prüfen. Gemäss diversen Szenarien könnten so im Idealfall bis zu 70 Prozent der heutigen Atomstrom-Produktion ersetzt werden.

Solarenergie – die Lösung liegt auch in der Speicherung

„Die Schweiz ist mit Wasserkraft schon perfekt aufgestellt“, sagt Klingler. „Unsere Botschaft ist: Für die ganze Dekarbonisierung brauchen wir einen schnelleren Ausbau der Solarenergie. Sonst werden wir auch Diesel- und Heizöl nicht so schnell los.“

Und was ist mit den möglichen Stromlücken im Winter, vor denen die Aufsichtsbehörde Elcom schon in drei Jahren warnt? „Die Elcom redet vom Worst-Case-Szenario“, sagt Klingler. „Wenn der Import völlig wegfällt und ein Grosskraftwerk ausfällt wie Gösgen oder Leibstadt.“

Die künftigen Strom-Überschüsse im Sommer könnten beispielsweise zur Herstellung von Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen dienen und so gespeichert werden. Greenpeace Schweiz und Swisssolar rechnen auch mit der Verwendung von Autobatterien als variable Stromspeicher. Swissolar schreibt: Die verfügbare Tagesspeicherkapazität in Elektroautos wird grösser sein als die heutige Tagesproduktion aller Schweizer Atomkraftwerke.“ VW beispielsweise will sogenannte bidirektionale Fahrzeugspeicher bereits 2022 in den Autos einbauen.

Fragezeichen bei der Produktion der Silicium-Panels

Dass die Produktion der Silicum-Panels ökologisch nicht unproblematisch ist, weiss auch Klingler. „Ein grosser Teil des Polysiliciums kommt derzeit aus Shinjang in China. Wir fordern klar, dass die Herstellung des Polysiliciums mit Kohlestrom und Zwangsarbeit weg muss.“ Die Produktion sei zwar auch dann noch nicht optimal. „Auch Solarenergie kommt mit Folgen, aber in den Alternativen ist sie deutlich besser.“

Wichtiger Effekt des geforderten Ausbaus der Solarenergie: Es sollen so zehntausende von Arbeitsplätzen geschaffen werden. Dafür brauche es grösstenteils keine Hochqualifizierten, sagt Klingler. „Sondern Arbeiter aus dem Bereich Montage, die in der Überbrückungsphase auch aus Baden-Würtemberg, Bayern und Österreich kommen werden.“

 

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Autor:in: Christian
Bürge
Der Journalist ist Co-Founder und Chefredaktor des Magazins
Go Green.
www.christianbuerge.com
Kommentare
  • Bernard van Dierendonck:

    Wenn man das Solarpotential der Schweiz nach Anlagengrössen aufschlüsselt, dann steuern nicht grosse sondern kleinere bis mittlere Anlagen zusammen rund 80% bei! Das heisst, BesitzerInnen von Ein- oder Mehrfamilienhäuser steuern in Zukunft den Löwenanteil der Schweizer Solarstromproduktion bei und spielen eine zentrale Rolle in der Stromversorgung der Schweiz! (Quelle: Swissolar und die Website des Bundes: Solardach.ch)

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