Veganuary-Einsteigerin: "Leute dachten, ich sterbe an Nährstoffmangel!"

5 Minuten
25. Januar 2022

Veganuary-Einsteigerin im Jahr 2019 – seit einem Jahr überzeugte Veganerin. Die 22-jährige Zoé Kammermann, Studentin an der Uni Fribourg,  erzählt im Interview von den Fallen, in die sie getappt ist. Eiweiss im Rotwein beispielsweise. Aber auch von vegan-Klischees, die sie überwinden musste.

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Veganuary-Einsteigerin gogreen

Die Studentin Zoé Kammermann rät zum Veganuary: „Lasst euch nicht von blöden Sprüchen unterkriegen und informiert euch!“ Bild: zvg

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Du hast den Veganuary zweimal durchgemacht, bevor du vegan wurdest. Warum hast du überhaupt damit angefangen?

Genau, 2019 habe ich zum ersten Mal beim Veganuary mitgemacht, also vor 3 Jahren. Ich bin durch Freundinnen darauf aufmerksam gemacht geworden, die schon vegan lebten. Die sagten: «Da gibt es so eine Challenge, du magst doch Challenges!» Das stimmte. Und da ich ohnehin schon lange vegan leben wollte, war ich sofort dabei.

Warum wolltest du vegan leben?

Einerseits aus umwelt-, andererseits aus tierethischen Gründen. Aber ich bin immer wieder gescheitert. Es war einfach zu anstrengend. Und gab anfangs zu viele Sachen, auf die ich achten musste. Dann habe ich dieses Angebot bei veganuary.ch gesehen. Über diese Seite bekam ich jeden Tag eine Mail mit Rezepten und Infos, auf welche Inhaltsstoffe ich achten sollte. Das fand ich super, weil ich als Veganuary-Einsteigerin selber nicht mehr so viel machen musste. Ich bekam die Infos auf dem Serviertablett, das hat mich zusätzlich motiviert.

Hast du Veganuary schon einmal erfolgreich probiert?

Wie hast du dich vor dem ersten Veganuary ernährt?

Mit 15 habe ich angefangen, mich vegetarisch zu ernähren. Das heisst, ich habe schon lange kein Fleisch mehr gegessen. Aber Käse und andere Milchprodukte waren immer noch Teil meines Speiseplans.

Veganuary-Einsteigerin: „Nur Tierisches wegzulassen war nicht so clever“

Dann hast du den Rest der tierischen Nahrungsmittel auch noch gestrichen.

Ich muss zugeben: ich habe zu Beginn vor allem einfach Produkte weggelassen. Beziehungsweise habe ich einfach auf alle tierischen Produkte wie Eier oder Käse verzichtet. Aber ich habe mich nicht wirklich um Alternativen gekümmert. Das war im Nachhinein gesehen nicht so clever.

Was hat dir gefehlt?

Es ist schon wichtig, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten. Nicht nur, wenn jemand sich rein pflanzlich ernährt, natürlich. Aber dann musst du umstellen, statt einfach Nährstoffe wegzulassen.

Worauf warst du nicht vorbereitet?

Am Anfang war es ziemlich hart. Und ich bin auch ziemlich oft in Fallen getappt. Vor allem, wenn ich Produkte im Supermarkt gekauft habe. Es gibt Dinge, da würdest du wirklich nie denken, dass etwas nicht-veganes drinnen ist. Zum Beispiel Rotwein oder Brot. Aber im Wein kann Eiweiss oder Gelatine drin sein, im Brot Molke-Pulver oder sonst irgendwas Tierisches, das du nicht erwarten würdest. Ich glaube, das ist heute einfacher, weil fast alle Produkte gekennzeichnet sind. Aber das war 2019 eben noch nicht so.

„Auf Reibkäse zu verzichten war schwierig“

Was fandest du am ersten Veganuary richtig schwierig?

Ich mochte Fleisch eigentlich nie besonders, weil ich eine Blutphobie habe. Der Verzicht auf Fleisch war also easy. Ich denke, das ist für jemanden, der Fleisch wirklich mag, viel härter. Und auch Eier und Milch mochte ich nie besonders. Auch das fiel mir ziemlich leicht. Aber richtig schwierig war für mich, zum Beispiel auf Reibkäse auf der Pasta oder Mozzarella auf der Pizza zu verzichten. Und halt auch so Dinge wie Glacé oder Kuchen und Guetzli. Plötzlich musste ich dauernd auf die Inhaltsstoffe achten. Schwierig fand ich auch, wenn ich irgendwo eingeladen wurde. Weil dann entweder extra wegen mir etwas Veganes gekocht wurde. Oder das eben gerade nicht getan wurde! (lacht)

Du hast den ersten Veganuary damals ohne Schummeln durchgezogen. Half dir jemand?

Ich bin wie gesagt ein paar Mal in Fallen getappt. Aber sonst war ich wirklich sehr strikt! Geholfen haben mir vor allem diese Mails, die ich täglich bekam. Sie erinnerten mich auch an mein Versprechen. Ich wusste, ich bin da angemeldet, zusammen mit vielen anderen Leuten, die gerade das gleiche versuchen wie ich. Das hat mich motiviert. Meine Familie hat mich auch super unterstützt. Meine Eltern waren sehr offen und interessiert und haben sich extra um Produkte und Menüs für mich gekümmert. Ich denke, wenn sie nicht mitgemacht hätten, wäre es schwierig geworden. Ich hätte täglich für mich selbst kochen müssen. Das hätte ich nicht gepackt. Denn damals ging ich ja noch aufs Gymi.

Hast du als Veganuary-Einsteigerin neue Lebensmittel entdeckt, welche du jetzt öfters benutzt?

Auf alle Fälle! Ich habe damals mit den grundlegenden Sachen angefangen. Milch habe ich durch Hafermilch ersetzt, zum Beispiel. Butter habe ich durch Nussmus ersetzt. Und Reibkäse durch Hefeflocken.

„Ich hörte Klischees wie: Dein Tofu killt den Regenwald!“

Was haben die Menschen in deinem Umfeld dazu gesagt, dass du beim Veganuary mitmachst?

Ältere Leute waren eher skeptisch und dachten, ich sterbe bald an einem Nährstoffmangel. Oder an Unterernährung, weil ich nur noch Salat essen kann (lacht). Und dann kamen natürlich auch diese ganzen mühsamen Klischees, von wegen «dein Tofu killt den Regenwald» oder «Pflanzen haben auch Gefühle». Ich musste mich oft rechtfertigen. Das muss ich zwar jetzt immer noch, aber jetzt bin ich besser vorbereitet. Viele Leute aus meinem Umfeld waren aber auch sehr interessiert und offen für das Thema.

Niko Rittenau gogreen

Der Ernährungswissenschaftler und vegane Koch Niko Rittenau wurde mit seinen Büchern über vegane Ernährung im deutschsprachigen Raum bekannt. Bild: Mister & Misses

Du wurdest nach deinem dritten Veganuary ganz vegan. Was würdest du der Veganuary-Einsteigerin Zoé von 2019 raten?

«Achte auf eine ausgewogene Ernährung!» Ich habe mir schon einen anfänglichen Nährstoffmangel zugezogen, das muss ich ehrlich zugeben. Vegan ist nicht gleich gesund! Du kannst nicht vegan leben und nur Cola und Chips konsumieren. Du musst die Nährstoffe anders reinholen. Jetzt zum Beispiel benutze ich auch Lebensmittel wie Leinsamenöl, Kürbiskerne oder eben Hefeflocken und substituiere bestimmte Stoffe.

Veganuary-Einsteigerin: „Die Bücher von Niko Rittenau kann ich empfehlen“

Gibt es bestimmte Bücher, die du empfehlen kannst?

Ich habe zwei Bücher von Nico Rittenau, die ich grossartig finde! Er ist österreichischer Ernährungswissenschaftler und hat zusammen mit einem veganen Koch mehrere vegane Kochbücher geschrieben. Das eine Buch heisst „Vegane Ernährung für Einsteiger“, was ich super finde, weil einfach alle wichtigen Infos und einfache Rezepte drin sind. Das andere Buch heisst „Vegan-Klischees Ade“, was ich auch sehr gerne mag.

Welchen Tipp gibst du den Menschen, die aktuell und künftig beim Veganuary mitmachen oder versuchen, sich pflanzlich zu ernähren?

Ich würde sagen: «Lasst euch nicht von den blöden Sprüchen unterkriegen!» Probiert zu kontern, indem ihr euch gut informiert. Und wenn ihr bei veganuary.ch angemeldet seid, lest die täglichen Mails! Der Newsletter ist super, da gibt es super viele spannende Infos und tolle Rezepte!

 

Auch bei gogreen.ch findest du unter Rubrik Essen einfache und leckere vegane Rezepte für deinen Veganuary! Unsere Köchin Murwarid Zarakani hat zum Beispiel ein Rezept für einen veganen Kartoffelsalat auf österreichische Art oder ein veganes Kürbistörtchen mit Marronitopping  zusammengestellt. Und in Sylwia Petridis‘ zweiteiliger Reihe zu pflanzlichen Proteinen  findest du Tipps, wie du mehr pflanzliches Eiweiss in deine Routine einbauen kannst.

Autor: Mara
Wehofsky
Die geistes- und sozialwissenschaftliche Studentin ist interessiert an gesellschaftlichen Zusammenhängen und will zeigen, dass Nachhaltigkeit für jede*n relevant und umsetzbar ist.

Kommentare

  • Julia:

    Oh ja, die ganzen typischen Vorurteile kenne ich auch! Anfangs habe ich mich noch aufgeregt, jetzt kann ich lockerer damit umgehen. Noch an alle Neu-Veganer: Vergesst euer B12 nicht!

  • Joanna K.:

    Fun Fact: bei Schweinen und Geflügel wird B12 dem Futtermittel beigesetzt. Insofern schliessen Veganer da einfach das überflüssige tierische Element aus und nehmen es gleich selber.

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