Wechselakku - Zukunft nur für E-Scooter und E-Bikes?

5 Minuten
1. April 2022

Ein Wechselakku ist eigentlich praktisch für alle Elektrofahrzeuge. Denn er macht eine eigene Ladestation zu Hause oder lange Wartezeiten unterwegs überflüssig. Bei Elektro-Kleinfahrzeugen wie E-Scooter, E-Bikes und E-Rollern ist ein Durchbruch denkbar. Beim Elektroauto kaum. Denn die Hersteller wehren sich gegen gemeinsame Lösungen.

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Wechselakku

Wechselakkus für E-Roller an einer Go-Station von Gogoro, dem taiwanesischen Anbieter. Bild: Gogoro

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Die Wechselakku-Systeme können der Elektromobilität auch in den Städten zum Durchbruch verhelfen. Denn durch sie benötigt niemand eine eigene Ladestation. Die Akkus sind schnell getauscht. Für eine Wallbox hingegen fehlt vielen ein eigener Parkplatz oder eine Garage mit einem entsprechenden Stromanschluss.

Auch Volkswagen schreibt: „Batteriewechselstationen bieten grundsätzlich ein grosses Potenzial, den Umstieg auf Elektromobilität weiter voranzutreiben. Wenn das Batteriepaket nicht fest verbaut ist – wie bei E-Rollern oder E-Bikes – und an Wechselstationen binnen Minuten zu tauschen wäre, könnte das Ladestopps erheblich verkürzen, die Reichweite der E-Fahrzeuge zweitrangig machen und so die Verkehrswende beschleunigen.“

Wechselakku – beim Auto machts der Roboter

Es klingt ganz einfach: Wenn ein Akku leer ist, tausche ich ihn gegen einen vollen Energiespeicher. Besonders dann, wenn ein Ladevorgang länger dauern kann, klingt die Idee der Wechselakkus für Elektrofahrzeuge aller Art sehr verlockend. Die Idee wurde immer wieder in verschiedenen Formaten getestet. Bei einem E-Roller mit Wechselakku kann dies jede:r selber tauschen. Da die Batterieeinheit bei einem Elektroauto grösser und schwerer als bei einem Zweirad ist, übernehmen bei einem E-Auto Roboter den Akkuwechsel. So wiegt die Batterieeinheit des Elektroauto Renault Zoe stolze 305 Kilogramm (41kWh).

Werden sich Wechselakkus durchsetzen?

Nio Wechselakku

Eine Power-Swap-Station von Nio: Die erste in Europa steht seit Januar in Norwegen. Bild: Nio

Die Idee der Wechselstation gab es schon lange

Renault hatte bei seinem Elektroauto Fluence Z.E. eine Batterieeinheit integriert, welche an einer Wechselstation getauscht werden konnte. Allerdings produzierten die Franzosen das Auto nur bis 2014. Die dazugehörige Wechselstation wurde von dem Unternehmen Better Place gebaut, das 2013 aber Insolvenz anmeldete.

Die Idee der Wechselstationen wird aktuell von mehreren Unternehmen wieder aufgegriffen: Einmal vom chinesischen Autohersteller Nio, welches sein Elektroauto Ende 2022 auch in Deutschland anbieten will.

Nio-Wechselakku – in 3 Minuten getauscht

Nio nennt seine Wechselstation „NIO Power Swap“, der Batteriewechsel soll laut Unternehmen nur 3 Minuten dauern. Pro Tag soll eine solche Station 312 Batterietausch-Vorgänge durchführen können. Im Dezember 2021 hat Nio in Ostchina bereits über seine 700ste Batteriewechsel-Station in Betrieb genommen. Auch in Europa ist es jetzt soweit. Im Januar 2022 weihte der Konzern im norwegischen Oslo die erste Power Swap Station ein.

E-Roller mit Wechselakku in Taiwan auf dem Siegeszug

In Taiwan hat der Elektroroller-Hersteller Gogoro ein grosses Netz an Wechselstationen installiert, so könnte es dort bald mehr Akkuwechselstationen als Tankstellen geben. In Deutschland gibt es die zwei Start-Ups Swobbee und Ansmann AG. Die Ansmann AG hat den GreenPack entwickelt. Hierbei handelt es sich um eine Batterieeinheit im Kofferformat, welche bereits in vielen Geräten zum Einsatz kommt. Zum Beispiel in zahlreichen Lastenrädern, Rasenmähern oder Kehrmaschinen. Swobbee bietet Akkuwechselstationen für das Laden und Tauschen mobiler Batterien für Elektro-Kleinfahrzeuge wie E-Roller, E-Scooter oder E-Bikes. Dabei unterstützen die Wechselstationen die Batterien der Unternehmen Kumpan Electric, Tarrot, Greenpack, Okai und Segway.

Swobee Wechselstation

In Deutschland gibt es die Swobee-Wechselstationen für E-Roller. Bild: Swobee

Eines der grössten Probleme der E-Scooter-Anbieter: Sie sammeln ihre Scooter in der Nacht mit grösseren Benzin- oder Diesel-Transportern ein, um sie aufzuladen. Würden die Betreiber stattdessen Batteriewechsel-Stationen nutzen, könnten viele Wege mit Verbrennern gespart werden. Zum Beispiel, wenn sie den E-Scooter-Nutzern Freifahrten anbieten, wenn sie die Fahrzeuge direkt zu einer Wechselstation fahren.

Kaum gemeinsame Lösungen bei E-Autos 

Die Wechselstationen könnten auch für mehr Sicherheit sorgen, da die Akkus für E-Bikes und E-Scooter nicht im Haushalt aufgeladen werden müssen, sondern in einer brandsicheren Wechselstation.

Während die Akku-Wechselstationen für den Bereich der Elektro-Kleinfahrzeuge (E-Scooter, E-Bikes, E-Roller) vermutlich einen Durchbruch erleben werden, gibt es bei den Elektroautos wohl zuviele Hürden. Denn die Hersteller wehren sich gegen gemeinsame Lösungen bezüglich der Batterieeinheiten. Abhilfe würde hier vermutlich nur ein Eingreifen des Gesetzgebers schaffen. Oder ein Unternehmen setzt sich durch und öffnet später seine Akku-Wechselstationen für andere Autohersteller. So wie es zum Beispiel bei den Supercharger genannten Schnellladestationen von Tesla der Fall ist.

Autor:in: Kai
Domroese
Kai Domroese ist ein Experte im Bereich E-Mobilität und schreibt seinen eigenen Auto-Blog.
www.mein-elektroauto.com

Kommentare

  • Bernard van Dierendonck:

    Wichtiger als so aufwändige Schnellladelösungen wäre eine (langsame) lokale Ladeinfrastruktur. Damit die E-Autos flächendeckend über Nacht oder tagsüber während der Arbeit aufgeladen werden können. Hier besteht momentan das grösste Defizit denke ich.

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