Nachhaltig anlegen / Teil 1: Dein Geld verändert das Klima

6 Minuten
September 16 | 2021

Nachhaltig anlegen ist wichtiger, als du denkst. Auch wenn du weniger fliegst, zum pflanzlichen Menü greifst und den Tumbler nicht mehr benutzt. Deine Ersparnisse wirken viel stärker auf das Klima. Wir erklären, wie das funktioniert und warum das so wichtig ist.

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Dein Vermögen hat eine viel grössere Auswirkung auf das Klima als dein Verzicht.   Bild: istock.com

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Die Wirkung von klima- und umweltfreundlich angelegtem Geld wird gemeinhin unterschätzt. So hat die Allianz-Gruppe in Österreich 2020 in einer Umfrage unter 1500 Personen aufgezeigt, dass nur 6 Prozent Geldanlagen als wirkungsvoll für den Klimaschutz erachten. Hingegen geben 83 Prozent an, dass sie die Vermeidung von Plastik als besonders wirksam erachten. Dabei beläuft sich die CO2-Ersparnis durch den Verzicht auf Plastiktaschen auf nur zwei Kilogramm CO2 pro Jahr. Zum Vergleich: Fliegst du von Zürich nach New York und zurück, kannst du die verursachten zwei Tonnen CO2 bei myclimate für 58 Franken kompensieren. Das heisst im Umkehrschluss, dass jede mit 5,8 Rappen die klimaschädlichen Emissionen von Plastiksäckli kompensieren könnte. Erachten wir das als wirksame Klimaschutzmassnahme? Stell dir dann einmal vor, was jeder Schweizer Erwachsene mit einem durchschnittlichen Vermögen von 619449 Franken erreichen könnte?! Der Vergleich zeigt: Mit privatem Vermögen lässt sich enorm viel für den Klimaschutz tun.

Nachhaltig anlegen – Geldflüsse beeinflussen die Umwelt

Das Klima wird stark belastet von der Art und Weise, wie unsere Wirtschaft funktioniert. Oder anders formuliert: Die wichtigste treibende Kraft für den Klimawandels und dem damit verbundenen Verlust der Artenvielfalt ist unser Wirtschaftssystem. Und dieses wird finanziert und von Geldflüssen wesentlich beeinflusst.

Investierst du nachhaltig?

Geld regiert die Welt und mit ihr das Klima. Dabei spielt der Finanzsektor eine entscheidende Rolle bei der Transformation der Realwirtschaft. Will die Schweiz bis 2050 klimaneutral sein, soll dieser Hebel nicht ungenutzt bleiben. Auch das Bundesamt für Umwelt schreibt: «Unsere Produktions- und Konsummuster überschreiten die Belastbarkeitsgrenzen des Planeten: Klimawandel, Wasserknappheiten, Biodiversitätsverlust und so weiter sind die Folgen. Um die Funktionsfähigkeit der Ökosysteme für heutige und künftige Generationen sicherzustellen, ist ein zeitnaher Übergang der Realwirtschaft zu einer ressourceneffizienten und zukunftsfähigen Wirtschaft notwendig. Der Finanzsektor kann diesen beschleunigen.»

Richtig investieren gehört zum nachhaltigen Lebensstil

Die Ohnmacht gegenüber der Finanzindustrie muss nicht sein. August Benz, stellvertretender CEO von Swissbanking, sagt: «Es sind am Ende des Tages die Unternehmen und Privatpersonen, welche die Investitionsentscheide fällen werden. Ob sie ihre Gebäude sanieren als Privatpersonen oder eben in Treibhausgas-ärmere Prozesse und Technologien investieren.» Kurz: Die Banken müssen reagieren, wenn der Konsument etwas wünscht. Auch Larissa Marti, Expertin Klima und Finanzwirtschaft bei Greenpeace, sagt, dass zu einem konsequent nachhaltigen Lebensstil entsprechend nachhaltige Investitionen gehören. „Das ist Teil der Verantwortung, die mit dem Geld verdienen kommt.“

Investitionen in Solarenergie: Viele Fonds unterstützen weltweit grosse Projekte wie hier in Kalifornien.   Bild: istock.com

Für viele Produkte und Dienstleistungen steuern wir unsere Investitionen bereits sehr bewusst zugunsten der Umwelt und des Klimas. Das Gleiche gilt beim Anlegen. Du entscheidest mit, in welche Firmen dein Geld fliesst. Dabei kannst du in Firmen investieren, die beispielsweise nachhaltige Energiesysteme entwickeln. Oder kreislauffähige Geschäftsmodelle verfolgen. Denn für den Wandel hin zu einem ressourcen-schonenden und klimaverträglichen Wirtschaftssystem braucht es erhebliche Investitionen und Innovationen.

Klimasünder ausschliessen – Säule 3a nicht vergessen

Oder aber du schliesst bewusst Unternehmen wie Kohlekraftwerke aus, die das Klima stark belasten. Dies nennt sich Divestment. Entscheidend ist hier auch nicht der vergleichsweise bescheidene Betrag, welchen Einzelpersonen investieren. Aber die Summe solcher Entscheide entwickeln eine starke Wirkung und sendet klare Signale. Für Klimasünder kann das bedeuten, dass sie beispielsweise aus nachhaltigen Fonds ausgeschlossen werden. Und ihnen damit der Zugang zu Finanzierungsquellen erschwert wird. Will ich in meinem nachhaltigen Fonds wirklich noch 15 Prozent Immobilien? Auch hier gilt: Die Nachfrage verändert das Angebot.

Als Einzelperson kannst du dich bei deiner Bank gezielt nach nachhaltigen Optionen erkundigen und diese bevorzugen. Dabei solltest du unbedingt auch an dein Vorsorgevermögen denken. Vielleicht steckst du deine Säule 3a ja bereits in einen Fondssparplan? Bietet dein Anbieter eventuell auch eine nachhaltige Option? Schon, dass du dich erkundigst, sendet ein Signal an deine Bank. Wie beim Entscheid für Gemüse statt Fleisch geht es aber auch hier um die Details. Eine Greenpeace-Studie kommt zum Schluss, dass viele nachhaltige Fonds dem Klima sogar schaden. Es macht also Sinn, sich nach strengen Kriterien wie jenem des FNG-Siegels zu orientieren. Am Ende steht dein Geld nicht nur für deinen langfristigen Wohlstand, sondern arbeitet auch für eine klimafreundliche Zukunft. Im zweiten Teil zeigen wir dir, wie du in 4 Schritten nachhaltig anlegst.

Mitarbeit: Tessa Marina Meier

 

Die Autorin berät Unternehmen zum Thema Nachhaltigkeit und sagt: "Die Wirtschaft ist ein wichtiger Teil der Lösung."

Kommentare

  • Michel:

    Bei der Abstimmung hat mir der Button „Nein, denn ich habe keine Ahnung was wirklich nachhaltig ist.“ gefehlt.

  • Chris:

    Ich schließe mich Michel an: ein paar Beispiele für nachhaltige Anlagen wären hilfreich.

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